Belm
Eingebettet in grüne Landschaften liegt die Gemeinde Belm. Hier sind Gäste immer mitten in der Natur – ein Wohlfühlort für Erholungssuchende. Der historische Ortskern lädt zum gemütlichen Bummeln ein und ist in ein gut ausgebautes Radwegenetz eingebunden. Es verbindet Belm mit attraktiven Ausflugszielen und Sehenswürdigkeiten sowie der Stadt Osnabrück.
Belm ist besonders steinreich: Die sagenumwobenen Steingräber in Vehrte, die Sloopsteine bei Haltern und der Butterstein im Naturschutzgebiet am Gattberg sind steinerne Zeugen einer längst vergessenen Zeit und laden zu erlebnisreichen Entdeckungstouren ein.
Erlebnisse in Belm

15 | Findlingsgarten Vehrte

Findlingsgarten Vehrte
Steinalt: Mehrere hundert Millionen Jahre haben die Findlinge auf dem Buckel, die aus Skandinavien von Gletschern nach Belm gebracht wurden.
Vehrte ist „steinreich“, zumindest, wenn man sich die repräsentative Auswahl regionalen Gesteins im Findlingsgarten ansieht. Zehn imposante Findlinge sind hier versammelt, die alle eine ganz eigene Geschichte haben und auf unterschiedliche Weise ihren Weg in den Steingarten gefunden haben. Die meisten stammen direkt aus der Umgebung und sind z.B. von Vehrter Landwirten auf ihren Feldern gefunden und gestiftet worden, andere stammen aus heimischen Steinbrüchen, einer von ihnen stammt vom Piesberg bei Osnabrück.
Wenn man das Lebensalter dieser Steine zusammenzählen würde, kämen etliche 100 Millionen Jahre zusammen, Zeiträume, die das menschliche Maß im Grunde nicht wirklich begreifen kann, sondern nur bestaunen. Jeder einzelne dieser Steine atmet diese Ewigkeit, die man zumindest von Ferne erahnen kann, wenn man sich auf sie einlässt.
Wie sind diese Steine entstanden? Wie sind sie hierher gekommen? Die Antworten sind ganz unterschiedlich. Einer von ihnen ist vulkanischen Ursprungs, andere sind im heimischen Sandstein gewachsen. Viele von ihnen sind eigentlich gar keine Einheimischen, sondern stammen ursprünglich aus Skandinavien. In der Saale-Kaltzeit, vor etwa 200.000 Jahren, wuchsen dort Gletscher, die bis zu einem Kilometer jährlich nach Süden vorrückten. So schoben sie sich schließlich bis in die norddeutsche Tiefebene hinein und bis in unsere Region. Der Eisrand lag für längere Zeit in der Linie Belm, Vehrte und Icker. So schnell der Gletscher vorn schmolz, so schnell schob er neues Eis nach und lagerte mitgeführtes Geröll unterschiedlicher Größe am Rand ab. Aus dem Geschiebe dieser Zeit stammen übrigens auch der Butterstein am Gattberg, aber auch der Süntelstein oder die Findlinge, die in den heimischen Megalithgräbern verbaut worden sind.
Der Verein für Bildung und Kultur in Belm, kurz BiKult, hat mit Unterstützung vieler fleißiger Ehrenamtlicher diesen Steingarten gebaut, die sachkundige Beschilderung erfolgte mit kompetenter Unterstützung der Geologen des Naturparks Osnabrücker Land, TerraVita.
Die Unvergänglichkeit der Steine haben schon immer die Fantasie der Menschen beflügelt, so werden über viele große Findlinge und Megalithgräber Sagen erzählt. Wir können unsere Fantasie aber auch in die Gegenrichtung, in die Zukunft, schweifen lassen. Vielleicht ergraben eines Tages Archäologen diesen Steingarten und fragen sich, was es wohl damit auf sich hat. War das hier vielleicht ein Kultplatz? Eine unvollendete Baustelle? Oder vielleicht am Ende ein Landeplatz für Ufos?

16 | Teufels Backofen

Teufels Backofen
Auch wenn die Steine an Backwerkzeug erinnern mögen, markieren sie tatsächlich jahrtausendealte Mehrgenerationengräber.
Wieder einmal trugen sie einen Toten hierher. Schließlich passierten sie die steinerne Pforte des Erdhügels, dessen Inneres von Fackeln beleuchtet war. Alles Leben wurde von der Großen Mutter geboren und musste nach seiner Zeit in ihren Schoß zurückkehren, ein ewiger Kreislauf. Wie schon viele andere vor ihm legten sie den Toten auf den Boden des Steingrabes. Neben ihn stellten sie ein großes Tongefäß mit typischer trichterförmiger Öffnung. Gefüllt war es mit den traditionellen Speisen für die Reise in die andere Welt. Dazu legten sie das Steinbeil, mit dem der Tote vor noch gar nicht langer Zeit die Baumstämme für sein Haus gefällt hatte. In der anderen Welt würde er es wieder brauchen.
Keiner der Umstehenden war hier zum ersten Mal, sie alle hatten schon mehrmals einen der Ihren begleitet, um ihn in die Gemeinschaft der Ahnen zu geben. So war es Tradition, schon immer gewesen. Soweit sie wussten, hatte das Grab ihrer Sippe schon immer hier gestanden: ein zeitloses Tor zwischen den Welten.
Nun war es soweit, sie mussten sich von ihrem Toten verabschieden, den nächsten Teil der Reise würde er alleine, ohne sie weitergehen müssen.
So oder ähnlich wird es hier vor vielen tausend Jahren zugegangen sein, als das vor uns liegende Großsteingrab noch intakt war.
Dass die Menschen vor etwa 5.000 Jahren überhaupt schon in der Lage waren, die riesigen Steinfindlinge zu bewegen, ist erstaunlich genug und zeigt ihr technisches Geschick. Außerdem spricht die Existenz eines solch aufwendigen Grabes für eine arbeitsteilige, vermutlich auch hierarchische Gesellschaftsordnung. Dennoch muss der Bau für die Gemeinschaft eine enorme Kraftanstrengung bedeutet haben. Deshalb kann man davon ausgehen, dass die Megalithanlagen Mehrgenerationengräber gewesen sind, sonst wäre dieser Aufwand gar nicht zu rechtfertigen gewesen.
Interessanterweise existiert nur 200 m von hier entfernt eine zweite Anlage. Dass beide etwa zur gleichen Zeit von der gleichen Gruppe genutzt wurden, ist als wahrscheinlich anzunehmen. Auch sehr viel später hat man von einem Zusammenhang der beiden wissen wollen. So sprach der Volksmund bei diesem Grab von des „Teufels Backofen“, während das andere als „Teufels Backtrog“ bezeichnet wurde.
Beide Anlagen gehören zum niedersächsischen Abschnitt der „Straße der Megalithkultur“. Sie wird als Kulturweg des Europarates geführt, was der Dimension der Sache angemessen ist. Ist die Megalithkultur doch ein gesamteuropäisches Phänomen.
Bevor Sie jetzt aber in die Ferne schweifen, sehen Sie sich das uralte Grab in aller Ruhe an und atmen Sie seine archaische Atmosphäre. Danach besuchen Sie gerne auch die zweite Anlage, des Teufels Backtrog. Wenn Sie mögen, hören wir uns dort gleich wieder.

17 | Teufels Backtrog

Teufels Backtrog
Das muss mit dem Teufel zugegangen sein! Wer sonst könnte solch schwere Steine schleppen?
Hier war der Teufel los! Denn das, was Sie da vor sich sehen, ist des Teufels Back- oder Teigtrog! So zumindest haben sich die Leute früher diese Ansammlung von sehr großen und schweren Findlingen erklärt. Warum das Steingrab mit dem Bäckerhandwerk in Verbindung gebracht wurde, erschließt sich aus einer Beschreibung vom Anfang des letzten Jahrhundert: „Die Träger sind an der Außenseite mit Erde bedeckt und bilden mit den aufliegenden Decksteinen eine nach Osten offene Höhlung, die mit einem Backofen einige Ähnlichkeit besitzt.
Offenbar haben sich die Menschen gefragt, wozu sich eine solche Mühe machen und diese furchtbar schweren Steine zusammentragen? Wenn es aber nach etwas aussieht, was möglicherweise zum Backen verwendet wird, dann könnte es doch genau das sein! Aber wer sollte solch gewaltige Backutensilien benutzt haben? Wer könnte solche Steine geschleppt haben? Wenn nicht ein Riese, dann sicher der Teufel! Von anderen Steinen wollte man wissen, dass sie etwas mit dem vorchristlichen Heidentum, also Teufelzeug, zu tun haben, demnach wäre der Bezug zum Teufel eigentlich ganz schlüssig.
Ein Bewusstsein dafür, dass es sich bei diesem Steinensemble um ein Grab handeln könnte, war anscheinend nicht mehr vorhanden. Aber genau das ist es.
Der sog. „Teufels Teigtrog“ ist ein vergleichsweise kleines Großsteingrab mit noch vorhandenen sieben Trag- und drei Decksteinen. Ursprünglich wird es, wie alle Hünengräber, von einem Erdhügel bedeckt gewesen sein. Dazu hatte es eine Umfassung aus kleineren Findlingen, deren Reste Anfang des letzten Jahrhunderts noch vorhanden gewesen sind.
Des „Teufels Backofen“, eine nur 200m entfernte zweite Anlage, stellt die Ergänzung zum Backtrog dar. Der Volksmund hat zwischen beiden einen scheinbar plausiblen Zusammenhang geschaffen. Von anderen dicht beieinander liegenden Großsteingräbern wird erzählt, dass Riesen gemeinsam gebacken hätten, einer der Riesen aber dem anderen misstraute. Deshalb hätte er seinen schweren Backtrog etwas abseits fallen lassen, um schnell zurück beim Ofen zu sein, weil er sehen wollte, was der andere dort trieb. Vielleicht wurde über diese beiden Gräber eine ähnliche Geschichte erzählt, in der sich der Teufel, genau wie beim Süntelstein, tölpelhaft anstellt.
Nehmen Sie sich die Zeit und sehen Sie sich diese uralten Überreste menschlicher Zivilisation in aller Ruhe an, wobei auch Sie vielleicht Ihre Fantasie schweifen lassen. Vergessen Sie darüber aber nicht, auch noch dem Backofen, dem zweiten Grab, einen Besuch abzustatten. Wenn sie mögen, hören wir uns dort gleich wieder.

18 | Schwarzkreidegrube

Schwarzkreidegrube
Seine Farbe verdankt das Gestein in der Vehrter Schwarzkreidegrube einem Beinahe-Vulkanausbruch.
Aber bitte! Doch nicht alles auf einmal: Dinosaurier, Vulkane, Schuhcreme und der Teufel. Eins nach dem anderen! Also, damit das zumindest klar ist: Mit Schulkreide hat unsere Schwarzkreide natürlich gar nichts zu tun. Die Gemeinsamkeit ist lediglich, dass beides färbt. Das können sie selber feststellen, wenn sie einmal mit den Fingern an dem Gestein entlanggehen. Sehen Sie? Schön schwarz, nicht? Das würde sich sicher gut im Gesicht ihrer Begleitung machen. Finden Sie nicht auch? Aber erst die Arbeit und dann das Vergnügen.
Also, damit Sie´s wissen: Mit dieser Farbe hat man bis in die 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts alles eingefärbt, was schwarz pigmentiert werden musste, von der Schuhcreme bis zur Wandfarbe. Über 100 Jahre hat man hier dieses Färbemittel abgebaut, das es so auf der Welt nirgendwo sonst gibt. Jetzt glauben Sie sicher: Na, der nimmt den Mund aber ganz schön voll! Aber nein, tut er nicht, denn nur hier bot die Geologie die Voraussetzung dafür.
Es ist eine solche Ewigkeit her, dass Sie und ich uns gar keine echte Vorstellung davon machen können: 170 Millionen Jahre! Es war eine urzeitliche Welt, in der die Dinosaurier gerade erst ihren Siegeszug antraten. Zu dieser Zeit erstreckte sich über weite Teile dessen, was heute Deutschland ist, ein flaches Meer. Auf dessen Grund sammelten sich nach und nach Schichten von abgestorbenem Leben, das meiste davon Plankton, Algen und Bakterien. In dem sauerstoffarmen Milieu zersetzte sich die Biomasse jedoch nicht, sondern bildete einen fauligen Schlamm, der sich über Jahrhunderttausende zu einer mächtigen Schicht auftürmte und schließlich versteinerte. Auch in Süddeutschland gibt es solche Tonsteinvorkommen, die besonders wegen beeindruckender Fossilienfunde, wie z.B. das vollständige Skelett eines Meeresdinosauriers, bekannt sind.
Die Geschichte unserer Tonsteinschicht ist jedoch noch nicht zu Ende. Vor etwa 100 Millionen Jahren entging unsere Gegend knapp einer erderschütternden Katastrophe. Ein gewaltiger Magmapfropfen arbeitete sich durch Risse in den tiefen Gesteinsschichten nach oben. Glücklicherweise war seine Reise 5 km unter der Erdoberfläche beendet und er erkaltete. Ein solches Phänomen nennen Geologen einen Pluton, und da sein Zentrum unter der Stadt Bramsche liegt, heißt er sinnigerweise Bramscher Pluton. Nur um sich einmal seine Ausmaße vor Augen zu führen: Er reicht von der Ems im Westen bis östlich von der Porta Westfalica. Das wäre ein Monstervulkan geworden!
Er selbst muss uns kein Kopfzerbrechen mehr bereiten, aber sein Auftreten blieb nicht ohne Folgen. In unserer Tonsteinschicht wurde durch die Hitze des Magmas ein Großteil des ursprünglich organischen Materials in Kohle verwandelt, daher die Färbung!
Da erodierte Schwarzerde früher manchmal das Wasser des nahegelegenen Baches einfärbte, meinten die Leute, es gehe mit dem Teufel zu. Deswegen hieß er auch zeitweise „Teufelsbach“, passend zu den anderen Hinterlassenschaften des Gottseibeiuns hier in der Umgebung, nämlich dem Teigtrog und Backofen des Teufels oder dem Süntelstein.

19 | Pfarrkirche St. Dionysius

Pfarrkirche St. Dionysius
Er kam, sah und siegte nicht: Als Zeichen seiner Unterwerfung vor Karl dem Großen soll Widukind sich hier taufen haben lassen.
Die Sage weiß zu berichten, dass in St. Dionysius zu Belm der Sachsenherzog Widukind getauft worden ist. Damit wäre diese Kirche der Schauplatz eines dramatischen und weltgeschichtlich bedeutsamen Ereignisses. Karl der Große war zwar ein rechtschaffener König, ein Mann von Kultur und Förderer christlich-römischer Zivilisation. Aber gleichzeitig hatte er noch etwas von einem germanischen Heerkönig an sich, der seine Herrschaft im Krieg unter Beweis stellen wollte. Ohne provoziert worden zu sein, ließ der Frankenkönig seine schwer gepanzerten Reiterkrieger nach Sachsen vordringen. Ein Akt der Gewalt, dem sich die Angegriffenen mit aller Macht entgegenstellten. Ihr Anführer war Herzog Widukind, ein sächsischer Adeliger, der im Raum zwischen Wildeshausen und Osnabrück seine Güter hatte. Die Franken waren zwar besser bewaffnet und straffer geführt, aber die Sachsen kannten sich im Gelände besser aus und nutzten jede Gelegenheit, den Franken aus dem Hinterhalt schmerzhafte Schläge zu versetzen. Deshalb zog sich dieser Krieg dahin und konnte nicht entschieden werden. Die Sachsen litten mehr und mehr darunter, dass in ihrem Land immer weiter Krieg geführt wurde, und Karl wurde zunehmend von der Sorge getrieben, den Widerstandsgeist der Sachsen niemals brechen zu können. Nach vielen und langen Jahren des Kampfes entschloss sich Widukind schließlich, dem Leiden seiner Leute ein Ende zu setzen. Es wird ihm keineswegs leicht gefallen sein, aber schließlich begab er sich zu Karl und unterwarf sich ihm. Ein entscheidender Punkt bei dieser Unterwerfung war es, den Glauben der siegreichen Franken anzunehmen. Widukind ließ sich also taufen, und der erleichterte König Karl wurde sein Taufpate.
Die Sage erzählt das alles etwas anders, nämlich dass Widukind in seiner Verzweiflung versuchte, sich in das Heerlager der Franken zu schleichen, um Karl den Großen mit seinem Dolch zu töten. Als das Heer der Franken aber einen Abendmahlsgottesdienst feierte, habe Widukind das göttliche Kind über dem Abendmahlskelch schweben sehen. Daraufhin habe er sich zu erkennen gegeben und glaubenden Herzens die Taufe empfangen. Die Sage weiß auch, dass Karl der Große daraufhin Widukinds Wappentier geändert habe. Aus dem ehemals schwarzen Pferd wurde ein weißes Pferd auf rotem Grund.
Niemand weiß genau, ob Belm tatsächlich der Ort des Geschehens gewesen ist. Fakt ist, dass hier schon zu fränkischer Zeit eine Kapelle stand, die an der Wende zum 12. Jhd. durch eine romanische Kirche ersetzt wurde. Der wuchtige Turm ist ein Überrest dieses Baus. Das Kirchenschiff wurde etwa 100 Jahre später noch einmal erneuert. Aus dem 13. Jhd. stammt auch der Taufstein, der in mittelalterlicher Bildervielfalt die Taufe Widukinds zeigt, ein Hinweis darauf, dass zu dieser Zeit die Überlieferung des Geschehens in der Region offenbar noch lebendig war.

20 | Evangelische Christuskirche

Evangelische Christuskirche
Nach 170 Jahren Gottesdienst-Verbot erlaubte niemand anderes als Napoleon den Belmer Protestanten den Bau einer eigenen Kirche.
Gottesdienst verboten! Zumindest für Protestanten! Im Jahr 1648 wurde Belm zum katholischen Kirchspiel erklärt, und das obwohl annähernd 90 % der Bevölkerung dem lutherischen Glauben angehörte. Das hatte damit zu tun, dass die Bestimmungen des Westfälischen Friedens das Jahr 1624 als Normaljahr vorsahen, dessen Zustand es wiederherzustellen galt, und zu dieser Zeit war Belm offiziell katholisch gewesen.
Wegen der ohnehin schon furchtbar komplizierten Verhandlungen in Münster und Osnabrück zwischen mehr als einem halben Dutzend Kriegsparteien war jede Seite eifersüchtig darauf bedacht, den eigenen Vorteil zu wahren. Infolgedessen gab es kaum einen Spielraum für eine vernünftige Ausnahme im Detail. Für die Lutheraner in Belm bedeutete dies ein striktes Verbot, öffentlich den Gottesdienst zu feiern. Wenn sie dieses Verbot umgehen wollten, mussten sie die Kirche in einer der Nachbargemeinden besuchen.
Dieser unsinnige Zustand hielt immerhin ganze 170 Jahre an. Erst als Napoleon die verkrusteten deutschen Verhältnisse ordentlich durcheinanderwirbelte, ergaben sich neue Möglichkeiten: 1809 erhielt der Osnabrücker Hofprediger Lasius die Erlaubnis des Osnabrücker Bistums, einen regelmäßigen lutherischen Gottesdienst in Belm abzuhalten, aber nur in einem „privatären Schulhause“, wie die Quelle sich ausdrückt. Schon gleich am nächsten Sonntag ergriff Lasius die Gelegenheit beim Schopf und weihte das Schulgebäude zum Bethaus. Das konnte aber nur der Anfang sein. Mitten im Krieg, aus dem brennenden Moskau, erging die Genehmigung des großen Korsen, in Belm eine evangelische Kirche bauen zu dürfen. Das Schreiben war jedoch aufgrund der widrigen Umstände viele Monate lang unterwegs. Als es Belm im Jahr 1814 endlich erreichte, hatte sich inzwischen Weltgeschichtliches ereignet. Napoleon war geschlagen und die Sieger verhandelten auf dem Wiener Kongress über die Neuordnung Europas. Zum Glück für die Belmer kassierte die neue Landesherrschaft aus Hannover die Erlaubnis jedoch nicht sofort wieder ein, sondern genehmigte es sogar, für den Kirchenbau im gesamten alten Fürstbistum Osnabrück Spenden zu sammeln. Schon im Sommer 1815 konnte deshalb der Bau beginnen. Aus Kostengründen war ein Kirchturm eigentlich gar nicht vorgesehen, doch während der Bauphase kündigte sich ein unverhofftes Geschenk aus dem aufgelösten Kloster Marienstätte in Osnabrück an. Der dortige Kirchturm wurde vollständig abgetragen und in Belm wiederaufgebaut.
Auch die Innenausstattung profitierte von großzügigen Spendern. Der wertvolle Altar aus dem 16. Jhd. war dagegen ein glücklicher Kauf. Aufgrund der Säkularisation vieler Klöster war zu dieser Zeit so einiges an klerikalem Inventar auf dem Markt und damit günstig zu haben. Am 20. September 1819 war es dann endlich soweit: Belm hatte seine eigene evangelische Kirche! –
Ach übrigens, noch ein kleiner Hinweis: Wenn Sie sich über den schönen Garten hinter unserer Christuskirche gefreut haben, dann können Sie sich bei der Belmer Integrationwerkstatt bedanken. Die hat ihn nämlich gepachtet und mit ihren Kräften angelegt.

21 | Belmer Mühle

Belmer Mühle
In ihrer fast 1.200-jährigen Geschichte hatte die Belmer Mühle so einige Besitzer, unter ihnen der englische König Georg III.
Was haben Pollen mit der Belmer Mühle zu tun? So einiges, aber das ist etwas komplizierter zu erklären. Da geht es jedenfalls um Geschichte - und Geschichten, wovon es bei dieser Mühle massenhaft gibt! Hier in Belm lag ein uralter Meyerhof, dessen Wurzeln mindestens stolze 1.200 Jahre zurückreichen. Da unsere Mühle aber just zu diesem Meyerhof gehörte, wäre es möglich, dass sie in etwa genauso alt ist, zumal die fränkischen Eroberer zu dieser Zeit die Nutzung der Wasserkraft nachweislich ins Sachsenland mitgebrachten.
Das alles liegt jedoch tief im Dunkeln der Vergangenheit, so dass man ohne verlässliche Quellen nur Vermutungen anstellen kann. So jedenfalls war es, bis ein findiger Kopf, Dr. Schwaar vom Landesamt für Bodenforschung, eine Pollenanalyse im Boden des Belmer Bruchs durchführte. Und das Ergebnis war erstaunlich: Er konnte nämlich nachweisen, dass im Bereich des Mühlenteiches ein Schilfdickicht den Erlenbruchwald abgelöst hatte – und das vor gut elfhundert Jahren! Damit war das außergewöhnliche Alter unserer Mühle ganz praktisch bewiesen!
Eine schriftliche Erwähnung findet sich dagegen erst 400 Jahre später. In dieser Urkunde geht es um die Abgaben des Mühlenpächters. So hatte er an den Meyer des Hofes drei Schillinge zu entrichten, einen gemästeten Eber und alle drei Jahre einen jungen Hund. Übrigens stand er mit seiner Abgabenlast durchaus nicht alleine da. Die hörigen Bauern der ganzen Umgebung mussten ihre Abgaben hierher auf den Meyerhof in Belm entrichten, der damit eine wichtige Verwaltungseinheit der bischöflichen Grundherrschaft in Osnabrück war.
Aus dem 15. Jhd. hören wir von einem Streit zwischen dem Müller in Belm und seinem Grundherrn, dem Domsenior Johann von Varendorf. Das war ein ziemlich rauer Bursche, der nicht einmal davor zurückschreckte, mit der Waffe in der Hand seine Priesterkollegen im Osnabrücker Dom zu überfallen! Kein Wunder also, dass der Müller sich schließlich davonmachte, um woanders Schutz zu suchen.
Eine nächste Spur finden wir an der Fassade der Mühle, nämlich eine Gedenktafel, die auf die Renovierung der Mühle im Jahr 1555 verweist.
Gut zweihundert Jahre später wurde die Mühle privatisiert. Der Mann der sie verkaufte, saß übrigens in London und war Georg III., König von England. Osnabrück war nämlich inzwischen an das in Britannien regierende Haus Hannover gefallen.
Der heutige Mühlenbau stammt aus der Wende vom 19. zum 20. Jhd. Der Neubau ging einher mit einer gründlichen Modernisierung und einer Umstellung von Wasser- auf Dampfkraft, später auf Motorkraft. Auf diese Weise wurde die Belmer Mühle seinerzeit zur größten und leistungsfähigsten Mühle der ganzen Region Osnabrück.
Seit 1991 ist die Mühle nun in Besitz der Gemeinde Belm. Mit Weitsicht, viel Einsatz und Arbeit aller beteiligten Gruppen ist das historische Ensemble nicht nur erhalten geblieben, sondern hat sich auch zu einem vielfältigen Kultur- und Begegnungszentrum gemausert.
Mehr über Belm erfahren
Entdecken Sie weitere Sehenswürdigkeiten, Plätze und Orte in der Gemeinde Belm.