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Wallenhorst

Wallenhorst ist mit seiner schönen Lage inmitten grüner Landschaften ein beliebtes Ziel für Rad- und Wandertouristen. Besonders gut besucht ist der Ruller See mit seinen Spazierwegen und Aussichtspunkten. Auch die Windmühle Lechtingen und weitere naturnahe Erlebnisorte wie der Steinbruch Hollage, die Hügelgräber und der exotische Mammutbaum sind immer einen Besuch wert.
Bekannt ist Wallenhorst außerdem als Wallfahrtsort. Im Ortsteil Rulle steht die Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Johannes. Ursprünglich als Zisterzienserkloster erbaut und der Gottesmutter Maria geweiht, zieht die Kirche bis heute viele Pilger aus dem Osnabrücker Land und benachbarten Emsland an.

Erlebnisse in Wallenhorst

4 | Steinbruch Hollage

Vor 235 Millionen Jahren entstand der Kalkstein am Hollager Berg. Der hier abgebaute Muschelkalk wurde als Baumaterial genutzt, unter anderem für die Hollager Josefskirche.

Steinbruch Hollage

Vor 235 Millionen Jahren entstand der Kalkstein am Hollager Berg. Der hier abgebaute Muschelkalk wurde als Baumaterial genutzt, unter anderem für die Hollager Josefskirche.

Im gesamten Osnabrücker Land ist seit dem Mittelalter Stein aus dem Berg herausgehauen worden. Nahezu alle älteren Gebäude der Region künden davon. Die Steinbrüche können nach ihrer Auflassung jedoch zum Problem werden, zumal wenn sie leichtsinnig als abenteuerliche Kletterparcours benutzt werden. Um ein anderes Problem gleich mit zu lösen, hat man deshalb vielfach die alten Steinbrüche mit Müll verfüllt. Nicht umsonst beschleicht uns dabei Unbehagen: der Müll einer oft auf Kurzlebigkeit ausgerichteten Konsumgesellschaft und das eine Ewigkeit repräsentierende natürliche Gestein. Das sind eigentlich zwei Dinge, die nicht recht zueinander passen wollen. Um gerecht zu bleiben: Der Verfüllung sieht man ihre Natur im Nachhinein nicht mehr an, zugleich ist eine Narbe in der Landschaft gewissermaßen wieder verschlossen. Dennoch bleibt natürlich der Appell, in Zukunft darauf zu achten, nicht mehr so viel Müll zu produzieren.

Eine bewusste Ausnahme von der Praxis der Wiederverfüllung ist der ehemalige Kalksteinbruch Middelberg. Dieser Steinbruch wurde zum Naturdenkmal erklärt, weil sich an seinen Steilwänden wunderschön die Geologie des Berges ablesen lässt. Der hellgraue bis gelbliche Kalkstein am Hollager Berg entstand vor etwa unvorstellbaren 235 Millionen Jahren. Ursprünglich war er feiner Kalkschlamm, also Überrest von Myriaden von Schalenwesen, die in dem Meer lebten, das damals unsere Region bedeckte. Durch das Gewicht der immer mächtiger werdenden Schichten verfestigte sich der Schlamm im Laufe der Jahrmillionen zu dem Muschelkalkgestein, das uns heute in dem Steinbruch vor Augen tritt.

An der Wende vom 19. zum 20. Jhd. begann hier der zunächst vorindustrielle Abbau des Muschelkalks. Zahllose Häuser, Kellersockel und Hofmauern wurden daraus errichtet, auch die Hollager Josefskirche. 1936 übernahm Caspar Middelberg den Steinbruch, dessen Name bis heute der Steinbruch trägt. Erst 1981 fand der Gesteinsabbau in diesem Steinbruch sein Ende. Danach übernahm zunächst die Kirchengemeinde St. Josef das Gelände und errichtete hier eine Freizeit- und Begegnungsstätte mit Schutzhütte und Grillplatz. Doch nach einigen Jahren wurde der Gemeinde die Instandhaltung zu viel. Nächtlicher Vandalismus und eine damit einhergehende Vermüllung – schon wieder Müll! – machten eine weitere Nutzung durch die Gemeinde nahezu unmöglich. Seit 2013 kümmert sich der Verein Heimathaus Hollager Hof um das Naturdenkmal. Seine ehrenamtliche Tätigkeit stellt sicher, dass der Steinbruch auch weiterhin Besuchern zugänglich ist.

Damit das auch so bleiben kann, liebe Besucher, müsst ihr ein wenig mithelfen: Nichts von den Steinwänden abklopfen, keine lautstarke Sause mit Musik, die alles an wildlebenden Tieren der ganzen Umgebung verscheucht, und vor allem: Lasst bitte euren Müll hier nicht liegen!

5 | Hollager Steine

Diese steinzeitlichen Brocken waren in der Vergangenheit ein wichtiger Versammlungsort, an dem auch Gericht gehalten wurde.

Hollager Steine

Diese steinzeitlichen Brocken waren in der Vergangenheit ein wichtiger Versammlungsort, an dem auch Gericht gehalten wurde.

Die gewaltigen und seltsam abgerundeten Findlinge, die die Menschen in der Landschaft vorfanden, haben immer schon die Fantasie der Menschen bewegt. Man konnte sich nicht recht erklären, wo sie herkamen und warum sie dort an Ort und Stelle lagen. Daher bemächtigte sich häufig die Sage dieser Steine. Oftmals wurden sie mit Riesen in Verbindung gebracht, mit heidnischen Ritualen aus ferner Vergangenheit, mit Hexen oder gar dem Teufel.

Bevor der Mensch in dieser Gegend sesshaft wurde, gab es sicherlich noch sehr viel mehr von ihnen, aber schon seit der Jungsteinzeit wurden viele der Findlinge von ihrem Ort entfernt, oft um verbaut zu werden: Bereits vor vier- bis fünftausend Jahren in den Großsteingräbern, aber auch noch bis ins 19 Jhd., in dem man aus Findlingen das Fundament eines Hauses erstellte. Zudem wurden wohl nicht wenige aus dem Weg geräumt, weil sie die Feldwirtschaft behinderten.

Dennoch finden sich im Osnabrücker Land noch immer sehr viele Findlinge, was auf eine geologische Eigenheit zurückzuführen ist: Unglaublich, aber wahr, die meisten dieser großen Brocken, die hier in der Landschaft herumliegen, stammen ursprünglich aus Schweden!

Das bedeutet, unsere Hollager Steine haben eine unglaubliche Reise hinter sich.

Diese beginnt vor etwa 200.000 Jahren. Damals war das Klima auf der Erde langsam, aber merklich abgekühlt. Es kam zu einer Eiszeit. Riesige Eisgletscher bildeten sich am Polarkreis und traten ihren unendlich behäbigen, aber dennoch wuchtigen und unaufhaltsamen Siegeszug gen Süden an. Diese Gletscher rissen alles, was ihnen im Wege stand, mit sich oder schoben es vor sich her. Auf diese Weise wurden unsere Hollager Steine von Südskandinavien bis an die heutige Talstraße am Südhang des Hollager Berges transportiert. Gleichzeitig wurden ihnen im Laufe ihrer langen Reise durch Sand, Eis und Wasser alle scharfen Kanten abgeschmirgelt.

Unsere drei Findlinge, die sicherlich nicht ganz vollständig aus dem Boden ragen, haben ein erstaunliches Gewicht. So bringt der größte von ihnen um die 16 Tonnen auf die Waage! Wenn man sich die Steine nun genauer ansieht, ergibt sich ein seltsamer Effekt: Meistenteils bestehen sie aus mittel- bis grobkörnigem Granit, daher wirken die großen rötlichen Feldspat-Kristalle zwischen den vielen dunkel gesprenkelten Glimmerplättchen, als würden sie in der Gesteinsgrundmasse schwimmen.

Über die Hollager Steine gibt es zwar keine fantasievollen Geschichten, dafür hatten sie in alter Zeit die ganz praktische Funktion einer Landmarke und eines Versammlungsortes. Hier wurde Gericht gehalten, man schmiedete Bündnisse und entschied zu Zeiten der Grafen von Tecklenburg über Krieg und Frieden.

Heute haben die Hollager Steine zwar keinen praktischen Nutzen dieser Art mehr, doch sie laden durch ihre Urtümlichkeit noch immer zum Staunen ein. Daher sind sie zu Recht als Naturdenkmale unter Schutz gestellt.

6 | Piussäule

25 Jahre war Papst Pius IX. im Amt, als sich die Wallenhorster entschlossen, ihm eine Säule zu widmen – 25 Fuß hoch und mit Maria auf dem Sockel.

Piussäule

25 Jahre war Papst Pius IX. im Amt, als sich die Wallenhorster entschlossen, ihm eine Säule zu widmen – 25 Fuß hoch und mit Maria auf dem Sockel.

„Wir haben hier, wie wohl überall, mit Freudenfeuern, Böllerschießen, Feuerwerk, Fackeln, Festliedern, Reden und tausendstimmigen Hochs das Jubiläum Seiner Heiligkeit Pius IX. gefeiert“, so schreiben die „Neuen Volksblätter“ vom 23. Juni 1871. Gefeiert wurde das 25-jährige Amtsjubiläum des Papstes Pius IX. Diese Feier war übrigens nicht nur ein Zeichen dafür, wie fromm die Wallenhorster seinerzeit waren, sondern gleichzeitig eine nicht ganz unpolitische Demonstration. Bismarck war geradezu verschrien als strikter preußischer Protestant, und sein neu gegründetes Deutsches Kaiserreich schickte sich an, den Einfluss der Kirchen auf das öffentliche Leben zu beschränken. Später sollte man die Auseinandersetzung zwischen Staat und katholischer Kirche als „Kulturkampf“ bezeichnen.

Aber zurück nach Wallenhorst: Während der Feier zu Ehren des Papstes wurde beschlossen, eine hohe Säule mit einer Marienstatue zu errichten, gewissermaßen als Verfestigung der Ehrerbietung gegenüber dem Papst. Auch das wiederum ein Statement in einer Zeit, in der die Denkmalskultur in erster Linie national geprägt war. Das Grundstück stellte Bauer Clausing aus Hollage. Der Standort war nicht schlecht gewählt, denn die Säule wurde ziemlich genau in die Mitte des alten Kirchspiels Wallenhorst gepflanzt. Außerdem hat der Hollager Berg hier seinen höchsten Punkt, was allerdings durch die heutige Bebauung nicht mehr so deutlich wird. Das Standbild selbst wurde durch Spenden finanziert. Insgesamt gab es 1891 Spender, deren Namen in einem Bleikästchen in den Sockel eingelassen wurden. Der Bildhauer Heinrich Seling gestaltete aus Ibbenbürener Sandstein eine Säule mit einer Höhe von genau 25 Fuß – gemäß der Anzahl der Ponifikatsjahre Pius IX. Gekrönt wurde die Säule von einer Madonnenstatue mit andächtig gefalteten Händen.

Übrigens war der Bischof in Osnabrück zunächst nicht sonderlich begeistert von der Idee, eine Piussäule zu errichten. Eigentlich hätte er das Geld lieber verwendet, um die neue Alexanderkirche in Wallenhorst standesgemäß herzurichten. Außerdem fürchtete er Vandalismus. Unbegründet war die Sorge nicht, denn das Relief mit dem Antlitz Pius IX. wurde nach kurzer Zeit aus dem Sockel herausgebrochen. Auch das wird ein politisches Statement gewesen sein, nur diesmal von der Gegenseite!

Eigentümer der Piussäule ist heute die Kirchengemeinde Wallenhorst. Allerdings beteiligt sich die Kirchengemeinde Hollage regelmäßig an den Erhaltungsmaßnahmen.Im Mittelpunkt steht die Mariensäule seit mehreren Jahren im Dezember zum Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Im Rahmen einer Lichterprozession treffen sich dann hier die Gläubigen aus Wallenhorst und Hollage zu einer Marienfeier.

7 | St. Alexanderkirche und Annakapelle

Als die alte Alexanderkirche zu klein wurde, errichtete sich Wallenhorst eine neue – und mit ihr ein neues Ortszentrum.

St. Alexanderkirche und Annakapelle

Als die alte Alexanderkirche zu klein wurde, errichtete sich Wallenhorst eine neue – und mit ihr ein neues Ortszentrum.

Wallenhorst war ursprünglich eine landwirtschaftlich geprägte Gemeinde mit teilweise weit auseinander liegenden Gehöften. Ein erstes Zentrum entstand durch die alte St. Alexanderkirche u.U. sogar schon durch ein älteres heidnisches Heiligtum. Die Sogkraft dieses Zentrums ist aber nie so groß gewesen, dass sich darum ein fester Siedlungskern gebildet hätte.

Während des 19. Jahrhunderts wurde die katholische Kirchengemeinde immer unzufriedener mit der Situation ihrer alten Kirche. Zwar hatte man sie im Laufe der Zeit immer wieder erweitert und renoviert, aber das änderte nichts an der Tatsache, dass sie für die angewachsene Bevölkerung nicht mehr genügend Platz bot. Außerdem entwickelte sich zunehmend ein Renovierungsstau. Deshalb bemühte man sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts um einen geeigneten Platz für die neue Kirche. Die bischöfliche Verwaltung in Osnabrück hatte ein Auge auf die Auswahl des Standortes und verfügte: Die Kirche muss von einem ansehnlichen freien Platz umgeben sein, so dass sie nach allen Seiten dem Auge eine unbehinderte und wirkungsvolle Ansicht darbietet. Auf dem Bokholt, einem alten Versammlungsplatz in Wallenhorst wurde man fündig. Architekt Xaver Peter Lütz, der sein Können in der Kölner Dombauhütte erworben hatte, baute eine dreischiffige neugotische Hallenkirche nach mittelalterlichem Vorbild mit einem 67m hohen Turm.

Mit der Fertigstellung der Kirche 1886 und dem Bau des Pfarrhauses, der Schule und weiteren Gebäuden entstand um die Kirche ein neues Wallenhorster Zentrum, das sich im Verlauf weiterer Jahrzehnte zum echten Siedlungskern entwickelte.

Bei dem Umzug von der alten zur neuen Alexanderkirche nahm man einiges an Inventar mit, beispielsweise das wertvolle romanische Taufbecken. Ansonsten hatte man für die baulichen Relikte der Altvorderen aber wenig übrig. Zwischenzeitlich hatte man sogar die Absicht, die alte Alexanderkirche abzureißen. Zum Glück hat man davon Abstand genommen, so dass sich Wallenhorst heute sowohl an der alten als auch an der neuen Alexanderkirche freuen kann.

Wallenhorst hat aber noch ein drittes geistliches Gebäude, und das ist die Annakapelle. Sie steht gewissermaßen im Schatten der neuen Alexanderkirche, dabei existierte sie schon viele Jahre vor dem großen Nachbarn. Im 15. Jhd. ist sie als Gedenkkapelle für zwei in der Schlacht gefallene Brüder errichtet worden. In den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts erinnerte man sich an diesen Aspekt der Kapelle und nutzt sie seitdem zum Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkriegs.

8 | Hofstelle Duling

Frieden ist nicht selbstverständlich, sondern muss gehegt und gepflegt werden – auch dafür steht der Friedensgarten an der Hofstelle Duling.

Hofstelle Duling

Frieden ist nicht selbstverständlich, sondern muss gehegt und gepflegt werden – auch dafür steht der Friedensgarten an der Hofstelle Duling.

Hornsignal. A: Seht, da kommt ein Reiter aus Richtung Osnabrück. Er scheint es eilig zu haben. (Hufgetrappel, das langsamer wird). Bote:

Ich komm von Münster her gleich Sporensreich geritten

Und habe nun das meist des Weges überschritten

Ich bringe gute Post und neue Friedenszeit

Der Frieden ist gemacht, gewendet alles Leid!

A: Habt ihr gehört? Es ist Frieden, Frieden! Was für ein Glück!

Bote:

Der Höchste sei gelobt, der Friede ist getroffen

Fortan sei männiglich ein besser Jahr zu hoffen

Der Priester und das Buch, der Ratsherr und das Schwert

Der Bauer und der Pflug, der Ochs und das Pferd

Was für eine Erleichterung es für die Menschen war, als der 30-jährige Krieg endlich zu Ende ging! 30 Jahre fürchterlichstes Blutvergießen und Verheerung ganzer Landstriche waren vorüber. Auch die Bauern des Osnabrücker Landes hatte es immer wieder schlimm getroffen. Oft genug konnten sie nicht ernten, was sie gesät hatten. Zumal wenn die Frontlinie sich wieder geändert hatte, rückten einmal mehr neue Soldaten in die Region ein, die sich nahmen, was sie wollten.

Zum 350. Jahrestag des Westfälischen Friedens 1998 ließ die Gemeinde Wallenhorst einen Friedensgarten als Ort der Ruhe und Besinnung anlegen. Er liegt zwischen der gemeindeeigenen Hofstelle Duling und dem Friedhof. Der Garten selbst ist ein einprägsames Symbol für den Frieden, denn nur in Zeiten der Hege und des Wachstums kann er gedeihen.

Der etwa 6.000 Quadratmeter große Friedensgarten ist darauf angelegt, dem Auge des Besuchers zu jeder Jahreszeit blühende, färbende oder fruchtende Pflanzen zu bieten.Während der östliche Teil einen parkartigen Charakter hat, erinnert der westliche Teil eher an einen Wald.Die große Skulptur einer Taube gibt das Grundthema des Gartens vor. Als Friedenssymbol weist sie auf die Freude des Neuanfangs hin, die sich mit dem Westfälischen Frieden verband.

Auf der zur Straße gelegenen Seite des Hofes Duling befindet sich ein Bauerngarten mit Kräuter- und Duftgewächsen, wie er jahrhundertelang für Bauernhäuser dieser Art typisch war. Angelegt haben ihn die Wallenhorster Landfrauen, die die Pflanzen aus ihren eigenen Gärten spendeten.

9 | Hexenstein

Hexen waren es nicht, die diesen Stein nach Wallenhorst brachten. Ein Gletscher transportierte den rund 25 Tonnen schweren Findling vor 200.00 Jahre aus Südschweden hierher.

Hexenstein

Hexen waren es nicht, die diesen Stein nach Wallenhorst brachten. Ein Gletscher transportierte den rund 25 Tonnen schweren Findling vor 200.00 Jahre aus Südschweden hierher.

(Eule, unheimliches mehrstimmiges Frauenkreischen und -lachen) Hexe: (beschwörend) Es schweigt der Wind, es flieht der Stern, der trübe Mond verbirgt sich gern. Im Sausen sprüht das Zauberchor viel tausend Feuerfunken hervor. Die Salbe gibt den Hexen Mut,Ein Lumpen ist zum Segel gutEin gutes Schiff ist jeder TrogDer flieget nie, der heut nicht flog.

Und wenn wir um den Gipfel ziehn,So streichet an dem Boden hinUnd deckt die Heide weit und breitMit eurem Schwarm der Hexenheit.

Hier ist er nun, der Hexenstein! Was haben wir schon auf ihm getanzt! Ganz glatt ist er davon geworden, seht ihr?

Geologe (insgesamt sehr sachlich, gestelzt, Bildungsdünkel): Entschuldigung, die Dame.

H: (verwirrt) Was?

G: Ich habe da etwas völlig anderes gehört.

H: (noch immer verwirrt) Wie?

G: Dieser beachtliche Findling ist ein Exemplar aus Rotem Växjö-Granit, ca. 1,7 Millionen Jahre alt. Mit seinem Gewicht von etwa 25 Tonnen ist der „Dicke Stein“, wie wir ihn auch gerne nennen, einer der größten Findlinge Niedersachsens.

H: (gereizt) Soso, und warum ist er deiner Meinung nach so glatt?

G: Er erhielt seine Glätte durch die abschmirgelnde Einwirkung von Wasser, Eis und Sand. Er ist die Hinterlassenschaft einer Eiszeit vor etwa 200.000 Jahren. Ein gewaltiger, bis an die 400 m mächtiger Gletscher trug den Findling mit sich von Südschweden bis hierher. Als der Gletscher sich in der Wärmeperiode wieder zurückzog, blieb der glattgeschliffene Stein hier einfach liegen.

H: (nachdenklich) Wirklich beeindruckend, wenn man so darüber nachdenkt.

G: Ja, fürwahr! Deshalb steht der „Dicke Stein“ auch schon seit 1948 unter Naturschutz. Als man 1966 die Brücke der B68 betonierte kam es jedoch zu einem Malheur und der Stein wurde fast vollständig von Beton übergossen.

H: (aufgebracht) O, nein!

G: Keine Sorge, die Dame. 1997 wurde er auf Initiative der Gemeinde Wallenhorst wieder freigelegt und mit einem 80-Tonnen-Autokran geborgen. Seitdem liegt er hier wieder, deutlich sichtbar an der Ruller Straße. – Gut, dann wäre das geklärt. Einen schönen Abend noch die Damen.

H: Hm, Südschweden, da wollte ich auch immer schonmal hinfliegen

10 | Alte St. Alexanderkirche

Wohl mindestens 1.200 Jahre alt ist dieses Gotteshaus, das tatsächlich ein weibliches Wesen an der Spitze hat.

Alte St. Alexanderkirche

Wohl mindestens 1.200 Jahre alt ist dieses Gotteshaus, das tatsächlich ein weibliches Wesen an der Spitze hat.

Die Alte Alexanderkirche liegt umsäumt von großen Bäumen bei den Höfen des alten Dorfkernes abseits des modernen Ortes Wallenhorst. Der Blick schweift über die verträumten uralten Bruchsteinmauern hinauf bis zur Kirchturmspitze. Aber was ist das? Normalerweise gibt dort oben doch ein Wetter-hahn den Ton an. Er dreht sich mit dem Wind und zeigt an, ob sich das Wetter ändert. Ja, nur hier in Wallenhorst, da ist es anders: Dort oben auf der Kirchturmspitze sitzt eine Wetter-henne!

Wir sehen in einer weit entfernten Vergangenheit Karl den Großen nach einer siegreichen Schlacht gegen die Sachsen nach Wallenhorst ziehen. Hier soll ein Tempel zur Verehrung der sächsischen Götter gestanden haben. In heiligem Zorn lässt ihn Karl niederreißen und auf seinen Trümmern eine Kirche errichten. Statt eines gängigen Wetterhahnes verfügt er jedoch, es solle eine Henne auf die Kirchturmspitze gesetzt werden, zum Zeichen, dass diese Kirche die Gründung vieler weiterer Kirchen nach sich ziehen würde, gleichsam einer Glucke, die ihre Küken ausbrütet. Die barocke Inschrift auf dem Türbalken zur Sakristei datiert das Geschehen auf das Jahr 777.

Eine nächste Spur findet sich in einem legendenumrankten Bericht aus dem 9. Jhd. Er beschreibt die Überführung der Reliquien des Hl. Alexander durch Waltbert, den Enkel des sagenhaften Sachsenherzogs Widukind, nach Wildeshausen. Der Tross macht in Wallenhorst halt und nimmt dort Quartier. Ein Blinder, der zufällig zugegen ist, wird auf der Stelle geheilt.

Ob die Alexanderkirche zu diesem Zeitpunkt hier schon steht, bleibt aus der Sicht des Historikers ungewiss. Allerdings hat man bei Untersuchungen des Kirchenbaus das Findlingsfundament einer Vorgängerkirche gefunden, die ins 8. oder 9. Jhd. datiert werden kann. Falls wir entgegen den alten Überlieferungen Karl dem Großen hier also doch nicht persönlich begegnen sollten, so sind wir zumindest ganz dicht dran!

Der Kirchenbau, wie er uns heute vor Augen tritt, entstammt größtenteils dem 12. und 13. Jhd., auch wenn er noch bis ins 18 Jhd. erweitert und umgebaut wurde. Im Jahre 1881 zog die Kirchengemeinde in die Neue Alexanderkirche um, was dazu führte, dass der Ortskern sich ins moderne Wallenhorst verlagerte.

In der alten Kirche finden daher heutzutage nur noch besondere Veranstaltungen und Gottesdienste, wie z.B. Trauungen, statt. Zumal zu solchen Anlässen kommt jedoch die schöne Atmosphäre dieses geschichtsträchtigen Gotteshauses zu ihrer besonderen Würdigung.

11 | Windmühle Lechtingen

Eine reine Windmühle war das Gebäude nur für kurze Zeit: Da der Wind nicht so blies wie erhofft, unterstütze bald ein Dampfkessel den Mahlbetrieb.

Windmühle Lechtingen

Eine reine Windmühle war das Gebäude nur für kurze Zeit: Da der Wind nicht so blies wie erhofft, unterstütze bald ein Dampfkessel den Mahlbetrieb.

Johann Rudolf Pagenstecher war seinerzeit in Osnabrück eine durchaus prominente Persönlichkeit. Er war es nämlich, der als studierter Bergmeister die Kohleförderung am Piesberg zu ungeahnten Ausmaßen mit 1500 Beschäftigten führte! Pagenstecher war jedoch nicht nur Industriekapitän, sondern auch Förderer der Landwirtschaft und Gründer der ersten Landwirtschaftsschule im Osnabrücker Land. Er selber hatte eine Hofstelle in Lechtingen übernommen und kannte die hiesigen Gegebenheiten sehr genau. Deshalb fiel es ihm nicht sonderlich schwer, einigen seiner Zechenarbeiter schmackhaft machen, sich hier anzusiedeln. Ein großes Problem für die Neubauern war jedoch der weite Weg zur nächsten Mühle nach Rulle oder Hollage. Daher beschloss der inzwischen schon 78-Jährige vor Ort in Lechtingen eine Mühle zu bauen. Nach einigen Querelen um die Genehmigung konnte der offenbar noch immer sehr energische Pagenstecher 1887 seine Mühle in Betrieb nehmen.

Mit den Jahren merkte der Pächter der Mühle, dass wohl die Windverhältnisse am Standort nicht gänzlich optimal waren, deshalb wurde der Betrieb auf die Unterstützung durch einen Dampfkessel umgestellt. Das war gewissermaßen das Ende der Windkraftnutzung, wenn auch auf Raten. Der Dampfkessel wurde bald durch einen modernen Motor ersetzt, der das ursprüngliche Mühlenwerk letztlich überflüssig machte, so dass es mit der Zeit verfiel. Zuerst verlor die Mühle ihre Flügel und in den 1920ern flog bei einem Sturm die ganze Mühlenkappe herunter. Der Mühlenstumpf bekam daraufhin ein Betondach und der eigentliche Mahlbetrieb wanderte wenig später in Gänze in die Motormühle. So blieb der Mühlenstumpf über viele Jahre hinweg mehr oder weniger sich selbst überlassen. Die Müllergesellen aus der Motormühle sollen öfters abenteuerlustig auf das Dach der Windmühle geklettert sein, um dort ihre Mittagspause zu verbringen. Die Beine vom Dach baumeln lassend leerten sie dort in aller Ruhe das mitgebrachte Essen aus ihren Henkelmännern. Sehr zum Ärger ihres Meisters.

1970 war auch damit endgültig Schluss, der letzte Pächter gab den Betrieb auf. Das hätte den endgültigen Verfall der Mühle bedeuten können, 1982 wurde jedoch der Verein Windmühle Lechtingen gegründet, der mit viel ehrenamtlichem Engagement und Sponsorengeldern die Mühle rettete und ihr sogar ihre ursprüngliche Gestalt wiedergab.

Aktuell ist während der warmen Jahreshälfte die Mühle in der Regel den ersten Sonntag im Monat nachmittags geöffnet. Und wer hier traditionell gemahlenes Mehl aus ökologischem Anbau kaufen möchte, kann das jeden Samstagvormittag zwischen 10 und 12 Uhr tun.

12 | St. Johannes Rulle

Wunder gab es hier immer wieder: Schon die Errichtung eines Klosters an dieser Stelle soll Bauholz geschuldet sein, das von allein nach Rulle rollte.

St. Johannes Rulle

Wunder gab es hier immer wieder: Schon die Errichtung eines Klosters an dieser Stelle soll Bauholz geschuldet sein, das von allein nach Rulle rollte.

Die Wallfahrtskirche St. Johannes in Rulle ist umrankt von einer Vielzahl von Wundererzählungen. Als erstes ist die Gründung des Klosters durch die Zisterzienserinnen zu erwähnen. Da ihr Kloster in Haste abgebrannt war, erhielten die Klosterfrauen vorübergehend Unterkunft auf einem Meyerhof in Rulle, zu dem auch die St. Ulrichskirche gehörte. Während nun neues Bauholz zum Wiederaufbau des Klosters geschlagen wurde, rollten die Stämme nachts auf unerklärliche Weise den Berg nach Rulle hinab. Nachdem sich der Vorgang mehrfach wiederholt hatte, wurde den Nonnen klar, dass es göttlicher Wille sei, das neue Kloster in Rulle anstatt in Haste zu erbauen. Von dem Holz, das ins Tal der Nette herabrollte, soll sich übrigens der Ortsname Rulle ableiten.Das im Jahr 1246 gegründete Kloster gedieh und machte insbesondere durch seine Gelehrsamkeit von sich reden.

Im Jahre 1347 ereignete sich jedoch etwas Folgenschweres: Die Zisterzienserinnen hatten auf dem Altar der St. Ulrichskirche einen Korb für Spenden aufgestellt, um Mittel für eine Schmuckmonstranz zu sammeln. Daneben hatten sie eine Dose mit fünf in Leib Christi gewandelte Oblaten gelegt. Unbekannte Diebe raubten nun beides und entkamen mit dem Inhalt des Sammelkorbes, aber für die Oblaten hatten sie offenbar keine Verwendung und warfen sie weg. Einige Tage später fand man die Dose ganz in der Nähe des Klosters wieder. Als man sie öffnete, hatten sich die Oblaten nicht nur von ihrer geistigen Substanz her, sondern auch wahrhaftig in blutiges Fleisch verwandelt. Dieses heilige Blutwunder machte sofort die Runde. Es wurde an der Fundstelle eine dem heiligen Johannes geweihte Wallfahrtskapelle gebaut, die in Zukunft das Ziel der Heilig-Blut-Wallfahrt werden sollte. In einer feierlichen Zeremonie wurde die Hostiendose dorthin überstellt. Mit Hilfe vieler Pilgerspenden konnte 1652 schließlich eine kostbare gotische Turmmonstranz gefertigt werden, in der heute noch die Dose des Blutwunders aufbewahrt wird.

Damit aber nicht genug: Der Wallfahrtsort verfügt auch noch über eine heilkräftige Marienquelle: Ein blinder Schäfer entdeckte sie einst, indem er seinen Hirtenstab in den Boden steckte. Als er ihn wieder hinauszog, brach sich die Quelle ihre Bahn. Indem der Schäfer sich mit dem Wasser die Augen benetzte, wurde er wieder sehend.

Die Vielzahl dieser Legenden und der mit ihnen in Verbindung stehenden Relikte machen bis heute Rulle zu einem gefragten Wallfahrtsort. Bis zu 50.000 Gläubige kommen jedes Jahr hierher. Zudem ist Rulle Station des Jakobsweges an der via baltica.

Das Kloster der Zisterzienserinnen gibt es heute nicht mehr, es wurde 1803 aufgelöst. Aber ein Großteil des Baubestandes ist erhalten, allerdings nicht immer unbedingt erkennbar. Als nach dem Ersten Weltkrieg die Heilig-Blut-Wallfahrt eine Renaissance erlebte, wurde wegen der Vielzahl der Pilger der gesamte Bestand an alten Kirchen und Kapellen überbaut und in die heutige Form gebracht.

13 | Wittekindsburg

Ob Sachsenherzog Widukind oder Wittekind tatsächlich vor Karl dem Großen hierher floh, ist unsicher. Fest steht, dass die Burg einst eine große Anlage mit Gräben und Wällen war.

Wittekindsburg

Ob Sachsenherzog Widukind oder Wittekind tatsächlich vor Karl dem Großen hierher floh, ist unsicher. Fest steht, dass die Burg einst eine große Anlage mit Gräben und Wällen war.

Die Burganlage im Nettetal ist umrankt von Legenden: Ein großer König, der in das Land der Sachsen einfällt, ein sächsischer Stammeshäuptling, der sich den Franken nicht geschlagen geben will und den Eindringlingen verzweifelt Widerstand leistet. Das ist ein Stoff, der an Dramatik kaum zu übertreffen ist.

Karl der Große ist ein verdienstvoller Herrscher, der Vater Europas, er ist derjenige, der Christentum und römische Zivilisation in den Norden des heutigen Deutschlands bringt, aber ein Heiliger und Friedenskönig ist er dabei nicht. Die widerspenstigen Sachsen und ihr unwegsames Territorium machen dem König der Franken schwer zu schaffen. 30 Jahre wird er schließlich brauchen, um Sachsen ganz zu unterwerfen. Sein großer Gegenspieler ist für lange Jahre der Sachsenherzog Widukind oder Wittekind. Er hasst die fränkischen Invasoren und organisiert den bewaffneten Kampf gegen sie. Militärisch ist es ein langes Ringen ohne vorhersehbaren Ausgang, keiner von beiden kann den entscheidenden Sieg erringen, denn die fränkischen Ritter sind besser bewaffnet und militärisch gedrillter, doch die Sachsen kennen ihr Territorium und greifen den Feind immer wieder empfindlich aus dem Hinterhalt an. Aber die Sachsenkrieger und ihre Familien müssen sich über Jahre hinweg in ihrem eigenen Land von den Franken jagen lassen. Ein unhaltbarer Zustand. Es muss endlich eine Entscheidung her. Im Jahre 783 stellt sich Wittekind mit seinen Gefolgsleuten den Franken bei Detmold zur Schlacht. Das Ergebnis ist ein Desaster. Wittekind muss fliehen und sich in die Sicherheit einer seiner Burgen zurückziehen. Der Sage nach ist sein Rückzugsort diese Burg hier im Nettetal bei Rulle.

Archäologen haben nachgewiesen, dass die Wittekindsburg eine erstaunlich große Anlage mit Gräben und Wällen gewesen ist. Sie war wohl ursprünglich als Fluchtburg für die umliegende Bevölkerung angelegt worden. Die Datierung der Überreste macht deutlich, dass die Burg tatsächlich schon in sächsischer Zeit gegründet worden ist. Doch auch nach der fränkischen Eroberung ist sie weiter ausgebaut und noch lange bewohnt worden.

Es ist also nicht unwahrscheinlich, dass Wittekind hier war. Die Zeit auf dieser Burg wird für ihn nicht einfach gewesen sein, denn er musste hier grundsätzliche Entscheidungen treffen. Zwei Jahre nach seiner Niederlage begab er sich zu seinem Widersacher Karl dem Großen, unterwarf sich und ließ sich taufen. Hocherfreut übernahm der König selbst das Amt des Taufpaten. Überhaupt vergalt Karl dem Sachsenherzog Widukind seine Unterwerfung mit einer ganzen Reihe von Gegenleistungen. Widukind blieb Sachsenherzog und durfte seine weit gestreuten Güter an seine Nachkommen weitervererben.

Jetzt kann ich Ihnen nur noch raten: Sehen Sie sich die welthistorisch bedeutsame Stätte doch einmal an. Die Besichtigung der stimmungsvollen Ruine auf dem Ruller Berg lässt sich sehr schön mit einer Wanderung durch das Nettetal verknüpfen. Im Tal unterhalb der Burg liegt malerisch eine uralte Wassermühle. Dort ist eine Lokalität untergebracht, in der sie eine gepflegte Pause einlegen können, nachdem sie die alte Wittekindsburg im Sturm genommen haben.

14 | Icker Loch

Als sich hier vor über 200 Jahren die Erde auftat, soll sie eine Frau und eine Kutsche mitgerissen haben. Polizeitaucher fanden hier allerdings nur die Reste einer Waschmaschine.

Icker Loch

Als sich hier vor über 200 Jahren die Erde auftat, soll sie eine Frau und eine Kutsche mitgerissen haben. Polizeitaucher fanden hier allerdings nur die Reste einer Waschmaschine.

(mehrstimmige Pferdehufe, polternde Räder auf einer Straße) Frau: Endlich habe ich dieses Osnabrück hinter mir gelassen, furchtbare Stadt! Kutscher! Wie heißt der nächste Ort, den wir erreichen werden? Kutscher: (von außen, Stimme erhoben) Hunteburg

Frau: Habe ich noch nie von gehört! Ist das auch wieder so ein grässliches, gottvergessenes Kaff?

Kutscher: Es ist ein kleiner Ort, hohe Frau, aber ob es gottvergessen ist, mag ich nicht zu beurteilen.

Frau: Ganz gleich, beeile er sich!

(langgezogenes donnerndes Geräusch, ähnlich wie bei einer Lawine)

Kutscher: Hüa! Hüa! (Peitschenknall)

Frau: Was ist denn das schon wieder? Es saust gleich einem Wirbelwind und Hagelwetter unter der Erde! In Teufels Namen, Kutscher, fahrt!

Kutscher: In Gottes Namen will ich fahren! Habe es immer getan! (Kutscher wird abgeworfen) Aaaah!

Krachen, Pferdegewieher, Schrei der Frau, danach ein Poltern, etwas Schweres fällt in die Tiefe)

Kutscher(erschüttert): Der Herr sei meiner Seele gnädig, ein Loch in der Straße! Die Kutsche! Die Frau! Alles versunken!

(anderer Sprecher)

Das Icker Loch ist ein sog. Erdfall. Ein solcher entsteht, wenn unter der Erdoberfläche wasserlösliche Gesteinsschichten vorliegen. Sind diese im Grundwasser aufgelöst, entsteht ein Hohlraum, bis die darüber liegenden Schichten aufgrund ihres Gewichtes nachgeben. Sobald der Einbruch da ist, füllt er sich nach und nach mit Wasser und es entsteht ein stehender bisweilen sehr tiefer Tümpel. Das Icker Loch soll zeitweilig eine Tiefe von 40 m gehabt haben.

Entstanden ist das Icker Loch am 22. April des Jahres 1782. Das weiß man so genau, weil es darüber Aufzeichnungen gibt. Dass darin eine Kutsche mit einer gotteslästerlichen Frau versunken ist, ist zwar nicht schriftlich überliefert, dafür weiß es aber der Volksmund ganz genau!

Offenbar ist der gesamte Grund um das Icker Loch nicht ganz sicher. Schon im 15. und 16. Jhd. sind Erdfälle dokumentiert, allerdings hat man diese bald zugeschüttet, um die Fläche wieder landwirtschaftlich nutzen zu können. Jetzt muss aber niemand Angst davor haben, dass ihm Ähnliches geschieht wie der Frau in der Sage vom Icker Loch. Zwar kann man nicht ausschließen, dass es hier weitere Hohlräume gibt, aber ein Einsinken würde sich zunächst durch langsame Erdbewegungen ankündigen. Man hätte also durchaus genügend Zeit, sich in Sicherheit zu bringen.

Dass das Icker Loch heute längst nicht mehr so tief ist, wie es wohl ursprünglich einmal war, haben Polizeitaucher festgestellt, als sie auf dem Grund nach zwei geraubten Tresoren suchten. Die Tresore haben sie übrigens nicht gefunden, sondern nur eine unnötigerweise schwarz entsorgte Waschmaschine.

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