Georgsmarienhütte
Die Stadt Georgsmarienhütte ist das urbane Zentrum der Hufeisen-Route. Sie bietet zahlreiche Kultur- und Freizeitangebote, Einkaufsmöglichkeiten und Veranstaltungen. Während der Kasinopark zu einem entspannten Spaziergang einlädt, bietet das Wald- und Panoramabad im Sommer die willkommene Abkühlung. Kulturliebhaber kommen bei den architektonischen Highlights Villa Stahmer, dem Klosterkonvent und dem Haus Ohrbeck auf ihre Kosten.
Die Kulturwege in den einzelnen Ortsteilen sind immer einen Abstecher wert, um die lokalen Geschichten in Georgsmarienhütte zu entdecken. Die Waldbühne Kloster Oesede weiß jährlich mit unterhaltsamen Musicals und Theaterstücken zu begeistern.
Erlebnisse in Georgsmarienhütte

28 | Gedenkstein Hohe Linde

Gedenkstein Hohe Linde
Was heute der Gerichtssaal, war früher die Linde: Unter dieser sollen bereits im 12. Jahrhundert die Grafen von Ravensberg Recht gesprochen haben.
Im Mittelalter saß man in aller Regel im Schutz eines Baumes zu Gericht, meistens unter einer Linde. Sie vereint eine ganze Reihe von Vorzügen. Sie wächst z.B. recht schnell, hat einen hohen und dichten Wuchs und sie wird sehr alt. Darüber hinaus wurden ihr magische Kräfte zugeschrieben, so galt es als sicher, dass sie vor einem Blitzschlag schützt.
Die Hohe Linde nördlich des Klosters Oesede war ein solcher Gerichtsplatz. Beurkundet ist, dass die Grafen von Ravensberg im 12. Jhd. hier einen Freistuhl, also einen regelmäßig genutzten Gerichtort, unterhielten.
Später wurde die Hohe Linde häufig als Versammlungsplatz der Landstände benutzt, einer Vertretung der Stadt Osnabrück, der Ritter des Osnabrücker Landes und des Klerus. Und auch wenn der Bischof der Landesherr war, musste er doch mit den Landständen das Einvernehmen suchen, wollte er nicht gehörigen Ärger auf sich ziehen. Das machtvollste Mittel der Landstände war dabei sicherlich das Recht zur Steuerbewilligung.
Es gibt eine ganze Reihe von Akten aus dem 16. und 17. Jhd., die deutlich machen, wie wichtig die Hohe Linde für das alte Fürstbistum Osnabrück gewesen ist, da sich die Landstände immer wieder hier treffen. Regulär tagte man unter dem freien Himmel, allerdings gibt es auch Aufzeichnungen darüber, dass man bei allzu schlechtem Wetter schon einmal in die Räumlichkeiten des Klosters wechselte.
Viele Sitzungen werden wenig spektakulär gewesen sein, aber es gab auch dramatische und hochbedeutsame Sitzungen.
So musste hier 1548 Franz v. Waldeck, der mächtige Fürstbischof von Münster und Osnabrück, auf Druck der Landstände öffentlich der Reformation abschwören. Damit war seine Politik, die alten Bistümer in ein vererbbares Herzogtum umzuwandeln, endgültig gescheitert.
Gut hundert Jahre später, im Jahre 1649, fanden hier die Verhandlungen über den sog. „Schwedenschatz“ statt. Es ging dabei um eine Ablösesumme, die der schwedischen Besatzung zu zahlen war, bevor sie das Land endgültig verließ. Natürlich hatten die Einwohner des Osnabrücker Landes gründlichst die Nase voll von all den Soldaten, die sie über den Dreißigjährigen Krieg hinweg immer wieder ausgeplündert und gequält hatten. Daher war es für sie das größte Bestreben, die schwedische Soldateska so schnell wie nur irgend möglich loszuwerden, was dann auch mit Überredungskunst und blanker Münze gelang.
Heute steht ein Gedenkstein an der Hohen Linde, der aus dem 17., vielleicht 18. Jahrhundert stammt. Er wird im Volksmund „Friedensstein“ oder „Klosterstein“ genannt. Auf der einen Seite zeigt er eine Kreuzigungsszene und auf der anderen die Gottesmutter und Johannes den Täufer – die beiden Schutzpatrone des Klosters Oesede.

29 | Waldbühne Kloster Oesede

Waldbühne Kloster Oesede
Was für ein Theater: Die Freilichtbühne im Grünen entwickelte sich dank ehrenamtlichen Engagements zu einer der erfolgreichsten Amateurbühnen Deutschlands.
Die Waldbühne in Kloster Oesede ist ein wirklich ganz besonderes Theater, denn es gründet sich auf das enorme Engagement von mittlerweile 250 Ehrenamtlichen, die im Waldbühnenverein gemeinsam und mit viel Herzblut wirklich Erstaunliches auf die Beine stellen.
Der gesamte Spielbetrieb der Waldbühne Kloster Oesede wird von dem Verein organisiert: Von der Regie und der Produktionsleitung, über die Bühnenarbeit der Darsteller und Musiker bis zu den vielfältigen Vorbereitungen durch Bühnenbau, Kostümherstellung, Maske, Technik und vieles mehr. Dazu kommen noch die vielen Helferinnen und Helfer, die für einen reibungslosen Ablauf vor und während der Aufführungen sorgen.
Über den Sommer hinweg spielt sich für viele Vereinsmitglieder ein Großteil der Freizeit auf oder hinter der Bühne ab. Nach der Saison ist jedoch immer auch vor der Saison, deshalb freuen sich alle schon darauf, wenn im November die Vorbereitungen für den kommenden Sommer wieder beginnen. An der Freude und Tatkraft der Beteiligten merkt man: Die Waldbühne ist ein besonderer Ort, an dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihren gemeinsamen Mittelpunkt finden.
Der Waldbühnenverein und die Stadt betreiben seit vielen Jahren die Bühne gemeinsam, die inzwischen jährlich über dreißig Veranstaltungstermine anbietet und mehr als 25.000 Besucher anlockt, d.h. im Schnitt fast 1.000 Zuschauer pro Aufführung. Kloster Oesede hat damit eine der besucherstärksten Amateurfreilichtbühnen in ganz Deutschland.
Dieser Erfolg ist aber nicht vom Himmel gefallen, sondern ist die Frucht langfristiger harter Arbeit. Die Zuschauer kommen hierher, weil sich die Bühne über Jahre hinweg den Ruf erarbeitet hat, auf sehr professionelle Art interessante Inszenierungen und gute Unterhaltung zu bieten.
Dass die Waldbühne einmal ein solch erfolgreiches Projekt werden würde, war zu Zeiten ihrer Gründung nicht absehbar.
1951 wurde die Waldbühne in Kloster Oesede in einer natürlichen Senke gebaut. Unterstützung erhielt die Gemeinde dabei von Gruppen aus der katholischen Kirche, aber auch von Jugendlichen, die im Rahmen von internationalen Jugendcamps nach Kloster Oesede kamen.
Der Landkreis forcierte und finanziell unterstützte 1957 den Ausbau mit einer erweiterten Zuschauertribüne und Gebäuden für Regie und Platzwart. Nach Jahrzehnten des Theaterbetriebes und zeitweilig eines Popfestivals, versank die Waldbühne für einige Jahre in einen Dornröschenschlaf.
Seit 1988 wird hier jedoch wieder ohne Unterbrechung Theater gespielt, seit 2003 unter Ägide des Waldbühnenvereines. So hat sich schließlich die Waldbühne als Kulturort mit besonderer Atmosphäre etabliert.

30 | Marktplatz Kloster Oesede

Marktplatz Kloster Oesede
1962 baute sich Kloster Oesede diesen zentralen Treffpunkt – inklusive Rathaus, das mit der Gründung Georgsmarienhüttes wenige Jahre später überflüssig wurde.
(Radio-, Störgeräusche, Sendersuche, dann im Stil einer 60er Jahre Reportage:) Die Gestaltung des Marktplatzes in Kloster Oesede geht darauf hinaus, für die Gemeinde einen repräsentativen Mittelpunkt zu schaffen. Die Lösung, die gefunden wurde, ist dem Rat manchmal nicht leicht gefallen. Auch die Bürger zeigten ein reges Interesse, und zuweilen galt es, entstandene Wogen von Meinungen und Stimmungen zu glätten. Inzwischen aber ist es nicht nur gelungen, einen endgültigen Plan aufzustellen, sondern mit dessen Verwirklichung hat man bereits begonnen. Das Marktplatzgelände in Kloster Oesede ist gegenwärtig beherrscht von Bauarbeiten. Es wird erwartet, dass im Herbst nächsten Jahres der gesamte Komplex fertiggestellt ist.
(Radio-, Störgeräusche)
So war der Stand der Dinge 1962, als die Gemeinde Kloster Oesede entschieden hatte, sich ein eigenes Zentrum mit einem öffentlichen Platz zu geben, auf dem z.B. auch eine Kirmes stattfinden könnte. Vor Ort war hier bislang nur ein verschlafener eichenbewachsener Grund gewesen, nun hielt die neue Urbanität Einzug. Eine Reihe von zweigeschossigen Geschäftshäusern wurde gebaut, dazu ein Rathaus, in das gleichzeitig die Kreissparkasse einzog. Der damalige Sparkassendirektor Aach sprach sogar von einer Ehe zwischen Sparkasse und Gemeinde. Diese hielt allerdings nicht ganz lange, denn die Gemeinde wurde gewissermaßen untreu. Aber aus gutem Grund: 1970 beschlossen fünf umliegende Gemeinden und Kloster Oesede, sich zur Stadt Georgsmarienhütte zusammenzutun. Damit entfiel hier am Marktplatz die Präsenz in einem eigenen Rathaus, so dass die Sparkasse in dem Gebäude zunächst allein verbleib, bis sie sich neue Mitbewohner suchte.
Eine Besonderheit am Rande des Platzes ist die Klause als öffentlicher Andachtsraum. Sie geht zurück auf die Stiftung eines Bauern zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Überdies ist sie eine der Stationen der Jakobiprozession. Diese geht darauf zurück, dass in der Nacht auf Jakobi, den 25. Juli des Jahres 1703, Diebe das legendenumrankte Gnadenbild der Maria im Kindbett aus dem Kloster gestohlen hatten. An der Nordmauer des Klosters, beim heutigen Edith-Stein-Haus, war es jedoch wiedergefunden worden. Daher wird aus Dankbarkeit noch heute alljährlich die Jakobiprozession unternommen.

31 | Klosterpforte

Klosterpforte
Die Klosterpforte war damals der einzige Zugang zum alten Kloster Oesede. Heute ist sie für viele Paare das Tor in die Ehe.
Die Erde dröhnt. Jeder fühlt es mit, wie die schweren Geschosse die Grabenbrüstungen wegreißen, wie sie die Böschungen durchwühlen und die obersten Betonköpfe zerfetzen. Wir merken den dumpfen Schlag, der dem Prankenhieb eines fauchenden Raubtiers gleicht, wenn der Schuss im Graben sitzt. Die Nacht ist ein Brüllen und Blitzen. Wir sehen uns bei dem sekundenlangen Licht an und schütteln mit bleichen Gesichtern und gepressten Lippen die Köpfe.
So beschreibt Erich Maria Remarque das Kriegsgeschehen während des 1. Weltkriegs. Das ist kein Krieg mehr, der mit nur einer Schlacht entschieden ist, kein Krieg mehr, der nur ein paar Monate dauert und vielleicht 10.000 Unglückliche das Leben kostet. Dieser Krieg frisst Millionen um Millionen von Menschenleben und hat sich selbst das Leben derer unterworfen, die nicht an der Front stehen. Die Moderne ist in ihrer Totalität auch im Krieg angekommen.
Sicher ist es kein Zufall, dass ausgerechnet in dieser Zeit die katholische Bevölkerung des Osnabrücker Landes den Entschluss fasst, ein Kloster stiften zu wollen, und zwar für den Franziskanerorden, der allein schon durch das Vorbild des Heiligen Franziskus für die bedingungslose Liebe zu allen Mitgeschöpfen steht.
Schon 1918 kommen die ersten Franziskaner nach Ohrbeck. Zunächst kommen sie in Provisorien unter, bis 1926 die Klosterbauten bezugsfertig sind. Drei Jahre später ist auch die dem Heiligen Antonius von Padua geweihte Kirche fertiggestellt. Sie ist ein beeindruckender runder Kuppelbau im Stil des Neobarock. Ihr Vorbild ist die Kirche Sant‘ Agnese in Agone an der berühmten Piazza Navona in Rom.
Doch die Franziskaner konnten in ihren neuen Gegebenheiten nur für kurze Zeit ihrer Arbeit ungestört nachgehen. Den Nazis waren die friedliebenden Brüder ein Dorn im Auge. Daher beschlagnahmten sie das Kloster 1941 und legten ein Jahr später ein Notkrankenhaus in das Exerzitienhaus.
Erst nach dem 2. Weltkrieg konnten die Franziskaner in ihr Kloster zurückkehren. Seitdem leben und arbeiten sie hier ohne weiteren Eingriff von außen.
Ein wichtiges Aufgabengebiet der Brüder ist heute die Seelsorge in der Pfarrgemeinschaft Georgsmarienhütte West, ein anderes ist das dem Kloster angegliederte Bildungshaus Ohrbeck, das seit 1974 als katholische Erwachsenenbildungsstätte und Heimvolkshochschule des Landes Niedersachsen fungiert.

32 | Klosterkirche St. Johannes

Klosterkirche St. Johannes
Die Kirche ist eines der wenigen noch bestehenden Gebäude des alten Klosters Oesede und Heimat des legendenumrankten Gnadesbildes der Maria im Kindbett.
Hier hatten einmal Frauen das Sagen! Genauer gesagt, waren es Benediktinerinnen, die hier das Kloster bewohnten, das dem Kirchdorf Kloster Oesede seinen Namen gab. Das Kloster war im 12. Jahrhunderts von Graf Ludolf von Oesede und seiner Frau Thedela gestiftet worden. Der Graf stellte dafür seine Stammburg zur Verfügung, denn er hatte keinen männlichen Erben. In dem Kloster sollten die Töchter des Grafen, die unverheiratet blieben, eine sichere Heimstatt finden. Goda wurde die erste Priorin, ihre Schwester Regenwita Küsterin.
Die Benediktinerinnen verstanden es zu wirtschaften, deshalb häuften sie im Laufe der Jahrhunderte einen stattlichen Klosterbesitz an. Vom 16. bis 18. Jahrhundert betrieb das Kloster sogar Steinkohleabbau.
Auch widmeten sich die Oeseder Benediktinerinnen der Wohlfahrt. Sie versorgten notleidende Einwohner des Kirchspiels mit Nahrung. Die Armen erreichten den Eingang zur Klosterküche über die so genannte Hungertreppe.
1803 wurde das Kloster wie viele andere durch den von Frankreich erzwungenen Säkularisierungsbeschluss aufgelassen. Den letzten Nonnen wurde eine jährliche Pensionszahlung zugesagt. Alles Klosterinventar wurde verkauft, außer der Ausstattung der Klosterkirche St. Johannes, die zur örtlichen Gemeindekirche wurde. Das Klostergebäude und die dem Orden gehörenden Ländereien gingen völlig in staatlichen Besitz über, bis sie schließlich von der Bauerschaft Kloster Oesede gekauft wurde.
Neben der alten St. Johanneskirche und dem Konvent vom Ende des 18. Jahrhunders ist von dem Baubestand des Klosters nur noch die Klosterpforte übriggeblieben. Dieses 1704 erbaute Torhaus war der einzige Zugang zum Kloster. Nach der Auflassung der Abtei ist die Klosterpforte insbesondere als Wohnhaus benutzt worden. Hier lebte Anfang des 20. Jahrhunderts z.B. der Schriftsteller Arthur Gläser. Unter seinem Pseudonym Albrecht Hömer veröffentliche er seinerzeit z.B. den sehr erfolgreichen Roman „Der Wind vor Tag“. Heute ist er allerdings fast nur noch dem Fachpublikum bekannt.
Nachdem das Gebäude einige Jahre leer gestanden hatte, wurde 1988 der Förderverein zur Erhaltung der Klosterpforte gegründet. Dieser bewältigte mit viel Aufwand und tatkräftiger Hilfe des Heimatvereins die dringend notwendige grundlegende Sanierung.
Durch diesen Einsatz ist ein wesentliches Stück der Klostergeschichte erhalten geblieben und schmückt nun weiterhin das Ortsbild.
Heute nutzen insbesondere der Heimatverein Kloster Oesede und der Heimatbund die Räumlichkeiten der Klosterpforte. Auch werden sie immer wieder durch Ausstellungen oder diverse Veranstaltungen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Seit einigen Jahren kann man sich auch in der romantischen Atmosphäre der alten Klosterpforte trauen lassen.

33 | Ölmühle

Ölmühle
Tüchtige Geschäftsfrauen waren im Mittelalter die Benediktinerinnen: Sie verwalteten unter anderem die Ölmühle, in der aus Flachs Öl und Leinen gewonnen wurden.
Die Damen des Benediktinerinnenklosters waren tüchtige Frauen, die etwas vom Wirtschaften verstanden. Sie trieben als Grundherrschaft des Kirchdorfes Oesede und weiterer Ländereien nicht nur die Abgaben ein, sondern sie wurden durch unterschiedliche wirtschaftliche Aktivitäten regelrechte Unternehmer.
Einer ihrer Betriebe war die alte Ölmühle in Kloster Oesede. Die Mühle, in der aus den Samen der heimischen Flachspflanze Öl gewonnen wurde, war eine Wassermühle. Das war bis in die Neuzeit hinein die gängige Art, wie die Menschen in unseren Breiten die Kräfte der Natur für sich in den Dienst nahmen. Die technisch noch aufwendigere Windmühle setzte sich erst später durch.
Um die Kraft des Wassers möglichst optimal nutzen zu können, wurde auch hier an der Ölmühle das Fließgewässer, nämlich der Schlochterbach, aufgestaut, um einerseits die Fallhöhe zu vergrößern und damit die Kraft des Wassers zu erhöhen. Andererseits erhielt man damit gleichzeitig ein Wasserreservoir, das verhinderte, dass in Trockenzeiten, in denen der Bach weniger Wasser führte, die Mühle nicht einsatzfähig war. Ein Überrest dieses Mühlenteiches sind die heutigen Fischteiche, ein Stück südlich von hier.
In der Ölmühle war zusätzlich eine Bokemühle untergebracht, die eine weitere Möglichkeit eröffnete, den Flachs zu verarbeiten. Mit vier großen Stampfern wurden hier die Flachsstängel zerschlagen, damit man aus ihren Fasern schließlich Leinen spinnen konnte.
Die Flachspflanze war im gesamten südlichen Osnabrücker Land weit verbreitet, da sie auf den hiesigen Sand- und Lehmböden besonders gut gedieh. Insofern war es für die Ordensschwestern vom Kloster Oesede eine Frage wirtschaftlicher Klugheit, diese flachsverarbeitende Mühle zu bewirtschaften.
Natürlich darf man sich nicht vorstellen, dass die frommen Frauen persönlich in ihrer Ölmühle standen. Sie waren feudale Grundbesitzer, d.h. sie verpachteten die Mühle, ähnlich wie sie auch ihr Land verpachteten, und dafür Anteile an den Erträgen erhielten.
Seit welcher Zeit eine Ölmühle hier stand, lässt sich kaum noch sagen. Ihr Alter dürfte aber einige hundert Jahre betragen.
Der letzte Mühlenbetrieb an Ort und Stelle wurde um etwa 1930 herum aufgegeben und das Gebäude verfiel, so dass heute nur noch die Grundmauern übrig sind, ebenso wie zwei Mühlsteine, die vom Heimatverein vor einigen Jahren geborgen wurden.

34 | Mühlenteich

Mühlenteich
Unnatürliches Naturidyll: Der Teich entstand vermutlich im Mittelalter durch die Aufstauung von Düte und Schlochterbach, als Benediktinerinnen in Kloster Oesede Wassermühlen errichten ließen.
Kaum zu glauben! Aber der Mühlenteich, der eigentlich aussieht wie die reinste Naturidylle, ist in Wahrheit das Ergebnis eines menschlichen Eingriffs - der allerdings schon lange zurückliegt und während des Mittelalters geschah. Der Teich entstand durch eine technisch anspruchsvolle und aufwendige Umgestaltung der hiesigen Fließwege von Düte und Schlochterbach. Dies geschah aus dem Anlass, dass die Benediktinerinnen aus dem Kloster Oesede hier ihre Wassermühlen errichten ließen. Wann das ganz genau geschah, lässt sich nur noch vermuten, es muss jedoch schon etliche hundert Jahre her sein. Der Teich wurde aus der Düte und dem Schlochterbach aufgestaut, um die Fallhöhe und damit die Kraft des Wassers für zwei hintereinander liegende Mühlen zu erhöhen und ein beständiges Reservoir für Trockenzeiten zu schaffen. Hinter diesem Teich lagen eine Korn- und eine Sägemühle. Den Schlochterbach aufwärts lag zudem eine Ölmühle hinter einem weiteren Teich.
Heute steht der idyllisch gelegene Mühlenteich in Kloster Oesede für die Naherholung einerseits und für den Umweltschutz andererseits. Das gesamte Gebiet des Mühlenteiches und der angrenzenden Feuchtwiesen, die von „Düte“ und „Schlochterbach“ durchflossen werden, stehen unter Naturschutz. Sie sind ein sogenanntes Flora-Fauna-Habitat, das nach europäischer Naturschutzrichtlinie besonders schützenswert ist. Ziel dieser Richtlinie ist es, eine europaweite Vernetzung von Lebensräumen wildlebender Arten sicherzustellen und damit einen langfristigen Artenschutz zu bewirken.
Da der Teich mittlerweile keinen Zustrom mehr hat, weder von der Düte noch vom Schlochterbach, haben die Kloster Oeseder keine geringe Sorge um ihren Mühlenteich: Er neigt dazu zu verlanden, was natürlich nach Kräften verhindert werden soll. Seit einigen Jahren versucht man der Entwicklung Herr zu werden, indem man ein sehr sauerstoffhaltiges Substrat in den Teich einbringt, um eine weitergehende Verschlickung zu verhindern, was erste Erfolge zu zeigen scheint.
Es ist Kloster Oesede zu wünschen, dass sich hier ein langfristiger Effekt einstellt, damit der Mühlenteich noch lange Bestand hat und viele Besucher sich an dieser Idylle freuen dürfen.

35 | Mahl- und Sägemühle

Mahl- und Sägemühle
Bis zum 19. Jahrhundert waren die Mühlen im Besitz der Kloster Oeseder Nonnen, die mit den Pächtern harte Verträge aushandelten.
Die beiden Mühlen, für die das Wasser von Schlochterbach und Düte im Mühlenteich aufgestaut worden war, gehörten den Grundbesitzern von Kloster Oesede, nämlich den ortsansässigen Benediktinerinnen. Wann diese Mühlen ihren Betrieb aufnahmen, ist nicht gesichert, es ist jedoch davon auszugehen, dass zumindest die Mahlmühle für das Korn schon seit dem Hochmittelalter hier stand, denn sie gehört zum Grundbestand ackerbäuerlicher Wirtschaftsweise. Sägemühlen sind in Deutschland allerdings ebenfalls schon seit dem späten 13. Jhd. nachweisbar.
Die Mühlen wurden natürlich nicht von den frommen Klosterfrauen selbst betrieben, sondern von Pächtern, die zunächst zu den Hörigen des Klosters gehört haben werden.
Später veränderten sich dahingehend die Zustände und die Pächter erlangten ein höheres Maß an Eigenständigkeit. Ein Zeugnis davon gibt eine Urkunde vom Ende des 18. Jahrhunderts, dem Pachtvertrag zwischen dem Sägemüller Wellinghof und den Nonnen des Klosters Oesede.
Gleichzeitig hat dieser Vertrag aber eine Reihe von Bestimmungen, die sicherlich schon alle Vorgängermühlen und ihre Pächter betroffen haben dürfte.
Der Zimmermann Wellinghof hat die Sägemühle in den Jahren 1794/95 auf Kosten des Klosters gebaut und erhält sie als erster für vier Jahre zur Pacht. Die Klosterfrauen machen ihn deshalb haftbar für alle Schäden an der Mühle, d.h. sie verlangen von ihm gewissermaßen Gewährleistung. Die ersten 2.000 Fuß Brettlänge hat er dem Kloster umsonst zuzusägen und danach zu einem festgesetzten Sonderpreis. Auch muss er jährlich zwei Malter guter Gerste und vierprozentigen Zins auf die Baukosten bezahlen. Darüber hinaus wird betont, dass er das Kloster immer zuerst zu bedienen hätte, d.h. die Damen mochten offenbar nicht warten.
Bei Wartungsarbeiten am Mühlenteich gäbe es keinen Abschlag von der Pachtgebühr. Zudem wird bestimmt, dass der Sägemüller nicht sägen dürfe, wenn die Mahlmühle Mangel an Wasser habe. Die Prioritäten waren dahingehend also klar: Die Kornmühle hatte eindeutig den Vorrang.
Als 1803 im Zusammenhang mit der Säkularisierung durch Napoleon das Kloster aufgelöst wurde, kamen alle seine Mühlen in Staatsbesitz.
1852 kaufte der Pächter Johann Heinrich Suttmeyer die Mahlmühle, etwas später auch noch die Öl- und Bokemühle. Damit war der ehemalige Mühlenbestand des Klosters weitgehend privatisiert und konnte noch viele Jahrzehnte erfolgreich weiterbetrieben werden. 1935 brach in der Mahlmühle sogar die Moderne an, denn von nun ab hatte sie elektrischen Strom. 1982 erfolgte nach Aufgabe des Betriebes der Umbau in ein Wohn- und Bürogebäude.

36 | Ottoschacht

Ottoschacht
Der Abriss der Kneipe „An der blauen Donau“ brachte Vergessenes zu Tage: Im Ottoschacht wurde bis 1889 Kohle für die Georgsmarienhütte gefördert.
(Baggergeräusche, Krachen) Ja, da geht sie hin, die „Blaue Donau“. Nee! Nicht missverstehen, nicht der Fluss, sondern die alte Kneipe hier in Kloster Oesede. Wird auch Zeit, dass das schäbige Ding hier endlich wegkommt… Jawohl (Baggergeräusche wieder lauter), da haben wir’s doch gleich. (Krachen) Und weg ist das Ding! (Bröckelndes Geräusch, Erdrutsch o.ä.) Hee! (erschrocken bis panisch) Was ist das? Mensch, mir sackt der ganze Bagger weg!
Als im Jahre 2006 die alte Gaststätte „An der blauen Donau“ abgerissen wurde, stieß man auf ein halb vergessenes Stück Bergbaugeschichte. Ein Abrissbagger brach in den Stollen des alten Ottoschachtes ein, der an dieser Stelle knapp unterhalb der Oberfläche verlief.
Dieser Ottoschacht steht für den Höhepunkt des hiesigen Kohleabbaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und gleichzeitig für dessen Niedergang.
Kohle wurde rund um Kloster Oesede schon seit dem späten Mittelalter gegraben, da die Kohleflöze bis an die Oberfläche ragten. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts gab es einen staatlich organisierten Tagebau. Als die auf diese Weise erreichbaren Kohleflöze aber erschöpft waren, hatte sich inzwischen etwas für die Region Grundlegendes getan: Die Stahlhütte in Georgsmarienhütte war gegründet worden und diese brauchte unablässig neue Rohstoffe. Um für sie neue Ressourcen zu erschließen, wurden mehrere Tiefbauschächte gegraben, deren Stollensysteme miteinander vernetzt wurden. Hier in Kloster Oesede wurde der Ottoschacht gegraben. 1867 hatte er bereits eine Tiefe von 130m erreicht, im Jahr darauf begann die Kohleförderung.
Angesichts der unzähligen Tonnen Kohle, die zur Stahlhütte verfrachtet werden mussten, wurde die Logistik zum belastenden Problem: Um dieses zu lösen, gab es nur einen brauchbaren Ansatz: Es musste eine Bahnverbindung vom Ottoschacht zur Georgsmarienhütte her. Die 3,1 km lange Schienenverbindung wurde am 1. November 1881 eröffnet und zunächst von der hütteneigenen Georgsmarienhütten-Eisenbahn betrieben. 1886 folgte der Anschluss an die staatliche Bahnstrecke zwischen Osnabrück und Brackwede bei Bielefeld.
Nur wenige Jahre später wurde deutlich, dass der Kohleabbau bei Oesede seine Tücken hatte. Die Kohleflöze haben hier eine vergleichsweise geringe Mächtigkeit und sind teilweise tektonisch gestört. Das Schlimmste aber war, dass das Wasser der Düte begann, in die Schächte einzudringen. Auf diese Weise erhöhten sich die Kosten für den Kohlebergbau vor Ort drastisch, und das, wo gleichzeitig billige Kohle aus dem Ruhrgebiet auf den Markt drängte. Schon 1889 wurde deshalb der Ottoschacht geschlossen. Die einstmals über 500 Zechenkumpel mussten sich eine neue Beschäftigung suchen und gingen meistenteils ins Ruhrgebiet oder ins Saarland.
Die Gleisanlagen am Ottoschacht wurden umgebaut und 1908 ein neues Bahnhofsgebäude errichtet. Gleichzeitig wurde der Bahnhof in Kloster Oesede umbenannt.
Wie weitausgreifend das Stollensystem unter der Gemeinde Georgsmarienhütte war, geriet weitgehend in Vergessenheit. Erst seit der Wiederentdeckung des Ottoschachtes unter der „Blauen Donau“ begann man sich wieder eingehender zu erinnern. Ziel ist es inzwischen, in Georgsmarienhütte einen Lernstandort Bergbau aufzubauen. Auch halten Straßenamen wie Ottoschacht, Glückaufstraße, Steigerstraße oder Zum Stollen die Erinnerung an die Bergbaugeschichte wach.

37 | St. Peter und Paul

St. Peter und Paul
Sie sieht älter aus als sie ist: Die auch als „Dütedom“ bekannte Kirche wurde Anfang des 20. Jahrhundert mit Spendengeldern erbaut.
Die herrliche gotische Kirche zu St. Peter und Paul, die nach dem örtlich Fluss auch gerne einmal mit Stolz „Dütedom“ bezeichnet wird, sieht zwar altehrwürdig aus - ist es aber nicht. Oder vielleicht doch ein bisschen. Naja, lassen Sie es mich so erklären:
Der Ort Oesede, heute Stadtteil von Georgsmarienhütte, wird schon im 9. Jhd. urkundlich erwähnt und zu dieser Zeit könnte er schon eine Kirche gehabt haben. Immerhin schon im 11. Jhd. taucht die Kirche St. Remigius selber in einer Urkunde des Klosters Iburg auf.
Ein klein wenig später wird man eine neue romanische Kirche gebaut haben, die hier über Jahrhunderte hinweg stand. Allerdings erwies sie sich, wie viele andere Kirchen auch, im Laufe der Zeit als zu klein. Daher wurde sie mehrfach umgebaut, erweitert und renoviert, so dass im 19. Jhd. eigentlich nur noch der alte Turm stand.
Nun gab es in Oesede aber nicht nur das natürliche Bevölkerungswachstum, sondern durch die Gründung der Georgsmarienhütte erfuhr die Gegend ab 1856 eine Umstrukturierung wesentlicher Lebensbereiche. Bis zu diesem Zeitpunkt war das südliche Osnabrücker Land eine beschauliche Landschaft mit einer Handvoll Bauerndörfern gewesen. Jetzt wurde die Stahlhütte zum industriellen Zentrum, das weithin Arbeitskräfte an sich zog. Entsprechend nahm die Einwohnerschaft geradezu explosionsartig zu. Darauf konnte die Kirche gar nicht so schnell reagieren. Plötzlich war St. Remigius, das vielleicht noch für Generationen gut gewesen wäre, viel zu klein.
Um diesen Missstand zu beheben, wurde 1897 ein Sammelverein ins Leben gerufen, der das Geld für einen Kirchenneubau zusammenbringen sollte. Nur sechs Jahre später erfolgte die Grundsteinlegung.
1906 war der fast domartige Kirchenbau samt seinem 75 Meter hohen Turm fertiggestellt. Er wurde unter dem Patronat von St. Peter und Paul geweiht, in Traditionsfortführung der alten Kirche, die seit den Zeiten des 30jährigen Krieges in der Regel nicht mehr als St. Remigius, sondern mit dem Namen der beiden Apostelfürsten bezeichnet wurde.
Kirchenschiff und Chor der alten Kirche wurden nun leider abgerissen. Die Steine des uralten romanischen Kirchturmes hatten sogar schon 1903 in den Fundamenten der neuen Kirche Verwendung gefunden. Der Gedanke des Denkmalschutzes spielte damals offenbar noch keine besonders große Rolle.
Insofern ist diese Kirche aber eigentlich beides: einerseits gotisch, aber neugotisch, einerseits St. Peter und Paul, andererseits aber auch ein Stück St. Remigius, einerseits erst knackige gut 100 Jahre alt, andererseits aber fußend auf einer Tradition, die bis ins frühe Mittelalter zurückreicht.

38 | Villa Stahmer

Villa Stahmer
Im Jahr 1900 zog Fabrikant Robert Stahmer in die Villa oberhalb seiner Eisenbahnsignalwerke ein, die heute umfassende Einblicke in die Geschichte Georgsmarienhüttes bietet.
Die Villa Stahmer! Sie ist das Gebäude, in dem das Museum von Georgsmarienhütte untergebracht ist. Und das ist eine ausgesprochen gelungene Kombination, da das Haus selbst musealen Wert hat und die Geschichte Georgsmarienhüttes in vielfältiger Weise repräsentiert. Die Geschichte beginnt damit, dass der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein 1856 eine kleine, in der Gemeinde Hagen gelegene Eisenhütte übernahm und mit einem neuen Standort ausbaute.
Eine der übernommen Fachkräfte war der Maschinenbaumeister Carl Stahmer aus Clausthal-Zellerfeld. Als rund um die neue Stahlhütte diverse Eisenbahnlinien gelegt wurden, erkannte er seine Chance. Angrenzend an das Hüttenwerk errichtete Stahmer eine eigene Eisengießerei, in der er ab 1862 mit zunächst nur zwei Mitarbeitern Eisenbahnwaggons reparierte und später Weichen, Schranken und andere Eisenbahntechnik produzierte. Dank seiner Branchenkenntnisse entwickelte sich das Unternehmen, das 1886 den Namen „Vereinigte Eisenbahnsignalwerke“ erhielt, so prächtig, dass es damals mit der Stahlhütte um die besten Arbeitskräfte konkurrieren konnte.
Carl Stahmer blieb Zeit seines Lebens sparsam, was ihn selbst anging. Es wird erzählt, er habe noch als erfolgreicher Fabrikant in der Werkshalle verbogene Nägel aufgehoben und der Weiterverwertung zugeführt. Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, sein Geld großzügig für diverse Stiftungen auszugeben.
Seine Söhne Robert und Ernst waren dagegen mit dem Reichtum aufgewachsen und hielten durchaus etwas von Repräsentation. Deshalb ließ sich im Jahr 1900 jeder von ihnen eine schmucke Villa oberhalb des Werks am heutigen Carl-Stahmer-Weg errichten. Das waren Häuser mit allerhöchstem Luxus, zumal zur damaligen Zeit. Wertvolle Stuckdecken und farbenprächtige Fenster im Jugendstil bezeugen das noch heute. Und während der normale ‚Georgsmarienhütter‘ in den 1920er Jahren nur in der „Alten Wanne“, dem heutigen Jugendzentrum, ein Bad nehmen konnte, verfügten die Bewohner der Villen bereits über ein privates Badezimmer und Wasserklosett! Robert gönnte sich in seinem Haus sogar ein orientalischen Bad.
Trotzdem sind beide Häuser von ihren Bauherrn nicht sehr lange bewohnt worden: 1929 verstarb Ernst, nur zehn Jahre später wurde seine Villa abgerissen. Und Robert Stahmer übernahm nach nur sieben Jahren ein Zweigwerk in Bruchsal. In seiner Villa wohnten stattdessen leitende Angestellte.
Nach dem 2. Weltkrieg hatte die Villa ein sehr wechselhaftes Schicksal. Zunächst von den britischen Militärs vereinnahmt, zog später das Arbeitsamt ein. Anschließend wurde die Villa als Mehrfamilienhaus genutzt und ziemlich abgewohnt.
Als das Haus 1968 in den Besitz der Gemeinde Oesede kam, dachte man sogar an Abriss. Nur durch entschiedenes Engagement des damaligen Kulturamtsleiters und einiger entschlossener Bürger gelang es schließlich, das historische Gebäude zu retten. Ab 1975 wurde die Villa weitgehend in ehrenamtlicher Arbeit zum Museum umgebaut und 1980 eröffnet.
Die seitdem mehrfach überarbeitete Dauerausstellung beschäftigt sich vor allem mit der Stadtgeschichte seit Gründung der Stahlhütte Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Museumsbesuch ist übrigens auch für Familien mit Kindern lohnenswert, denn viele Exponate sind nicht nur anschaulich, sondern auch zum Anfassen!

39 | Siedlung Alte Kolonie

Siedlung Alte Kolonie
Die Keimzelle der Stadt: Die „Alte Kolonie“ entstand im 19. Jahrhundert, um Arbeiter aus dem Harz nach Georgsmarienhütte zu locken.
„Ein blinder König beweist Weitsicht“ – So könnte man das überschreiben, was die Gemeinde Georgsmarienhütte prägen sollte. Der durch einen Unfall erblindete König Georg V. bestieg 1851 den Thron des Königreichs Hannover. Das Land litt an einem Entwicklungsdefizit, da die hannoverschen Herrscher lange Zeit in Personalunion englische Könige gewesen waren und dort ihren Schwerpunkt gelegt hatten. Georg V. trat deshalb an, das noch weitgehend landwirtschaftlich geprägte Hannover einer Industrialisierung zuzuführen.
1856 investierten seine Frau Marie und er viel Geld in ein Stahlhüttenprojekt, dem sie gleichzeitig gestatteten, ihre Namen zu tragen, den Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein, der in der alten Gemeinde Malbergen eine große und leistungsfähige Stahlhütte aufbaute, die noch heute existiert.
Die Einheimischen waren nicht sehr erpicht darauf, in der Hütte zu arbeiten, weil sie noch stark der Landwirtschaft und einer traditionellen Lebensweise verbunden waren. Deshalb brauchte die Hütte zusätzliche Arbeitskräfte von außerhalb. Es musste jedoch sichergestellt werden, dass die Menschen, die in Georgsmarienhütte arbeiten sollten, hier auch eine Unterkunft erhielten. Es brauchte also einen betrieblichen Wohnungsbau, um die Arbeiter an diesen Standort zu locken und sie auch hier zu halten. Da viele der Arbeitskräfte aus dem Harz kamen, ließ das Hüttenwerk eine ganze Siedlung mit Häusern im Harzer Stil errichten, die für damalige Verhältnisse komfortabel und modern ausgestattet waren. Das war die Geburtsstunde der „Alten Kolonie“.
Da es immer wieder zu Reibereien zwischen den traditionell lebenden und katholischen Einheimischen und den protestantischen Neubürgern kam, wurde zwischen ihnen eine verwaltungstechnische Trennung vollzogen: So wurde 1860 aus der „Alten Kolonie“ eine eigenständige Gemeinde. Allerdings stellte den Bürgermeister für die neue Gemeinde die Stahlhütte, ein im Königreich Hannover einmaliger Vorgang. Auf diese Weise blieben die Zugehörigkeit der Menschen und die Machtverhältnisse zwischen ihnen und der Hütte auch nach außen weiterhin sichtbar.
Deutlich wird hier, dass die Entwicklung des Ortsteils Alt-Georgsmarienhütte untrennbar mit dem Aufbau der „Alten Kolonie“ verbunden ist. Das heißt, wir haben es hier mit Stadtgeschichte zu tun, die ganz eng verknüpft ist mit der regionalen Industriegeschichte.
Wenn Sie noch Genaueres über die „Alte Kolonie“ wissen wollen, habe ich einen Tipp für Sie: Acht Stationen eines historischen Rundwegs, der vom Arbeitskreis Ortsteilentwicklung Alt-Georgsmarienhütte initiiert wurde, machen auf die noch sichtbaren, aber auch auf mittlerweile verschwundene Merkmale dieses besonderen Stadtteils aufmerksam.

40 | Kloster Ohrbeck

Kloster Ohrbeck
Angesichts der Schrecken des Ersten Weltkriegs entschied sich die Bevölkerung, den Franziskanern dieses neobarocke Kloster zu stiften.
Die Erde dröhnt. Jeder fühlt es mit, wie die schweren Geschosse die Grabenbrüstungen wegreißen, wie sie die Böschungen durchwühlen und die obersten Betonköpfe zerfetzen. Wir merken den dumpfen Schlag, der dem Prankenhieb eines fauchenden Raubtiers gleicht, wenn der Schuss im Graben sitzt. Die Nacht ist ein Brüllen und Blitzen. Wir sehen uns bei dem sekundenlangen Licht an und schütteln mit bleichen Gesichtern und gepressten Lippen die Köpfe.
So beschreibt Erich Maria Remarque das Kriegsgeschehen während des 1. Weltkriegs. Das ist kein Krieg mehr, der mit nur einer Schlacht entschieden ist, kein Krieg mehr, der nur ein paar Monate dauert und vielleicht 10.000 Unglückliche das Leben kostet. Dieser Krieg frisst Millionen um Millionen von Menschenleben und hat sich selbst das Leben derer unterworfen, die nicht an der Front stehen. Die Moderne ist in ihrer Totalität auch im Krieg angekommen.
Sicher ist es kein Zufall, dass ausgerechnet in dieser Zeit die katholische Bevölkerung des Osnabrücker Landes den Entschluss fasst, ein Kloster stiften zu wollen, und zwar für den Franziskanerorden, der allein schon durch das Vorbild des Heiligen Franziskus für die bedingungslose Liebe zu allen Mitgeschöpfen steht.
Schon 1918 kommen die ersten Franziskaner nach Ohrbeck. Zunächst kommen sie in Provisorien unter, bis 1926 die Klosterbauten bezugsfertig sind. Drei Jahre später ist auch die dem Heiligen Antonius von Padua geweihte Kirche fertiggestellt. Sie ist ein beeindruckender runder Kuppelbau im Stil des Neobarock. Ihr Vorbild ist die Kirche Sant‘ Agnese in Agone an der berühmten Piazza Navona in Rom.
Doch die Franziskaner konnten in ihren neuen Gegebenheiten nur für kurze Zeit ihrer Arbeit ungestört nachgehen. Den Nazis waren die friedliebenden Brüder ein Dorn im Auge. Daher beschlagnahmten sie das Kloster 1941 und legten ein Jahr später ein Notkrankenhaus in das Exerzitienhaus.
Erst nach dem 2. Weltkrieg konnten die Franziskaner in ihr Kloster zurückkehren. Seitdem leben und arbeiten sie hier ohne weiteren Eingriff von außen.
Ein wichtiges Aufgabengebiet der Brüder ist heute die Seelsorge in der Pfarrgemeinschaft Georgsmarienhütte West, ein anderes ist das dem Kloster angegliederte Bildungshaus Ohrbeck, das seit 1974 als katholische Erwachsenenbildungsstätte und Heimvolkshochschule des Landes Niedersachsen fungiert.
Mehr über Georgsmarienhütte erfahren
Entdecken Sie weitere Sehenswürdigkeiten, Plätze und Orte in der Stadt Georgsmarienhütte.