Hasbergen
Hasbergen punktet durch die wunderschöne Lage am nördlichen Rand des Teutoburger Waldes. Die Landschaft ist von den bewaldeten Höhenzügen der Hüggel geprägt und bietet damit vielseitige Möglichkeiten in der Natur unterwegs zu sein. Hier lohnt es sich die Wanderschuhe zu schnüren und den Hüggel zu Fuß zu erkunden. Vom Aussichtspunkt der „Schönen Aussicht“ eröffnet sich ein weiter Ausblick über die Gemeinde Hasbergen und das Osnabrücker Bergland.
Hasbergens sagenhafte Seite zeigt sich in den Hüggelzwergen. Die kleinen Sagengestalten verbinden den Wald und die Bergbaugeschichte des Hüggels miteinander und sind damit Teil der lokalen Tradition.
Erlebnisse in Hasbergen

1 | Hasberger Bahnhofsgebäude

Hasberger Bahnhofsgebäude
Der ehemalige Bahnhof war nicht nur ein wichtiger Umschlagplatz für Kohle und Stahl, auch Hüttenarbeiter und Schüler warteten hier auf die Georgsmarienhütte-Eisenbahn.
Dieses Bahnhofsgebäude ist ein gutes Stück Industriegeschichte. Als der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein 1856 das hiesige Stahlwerk gründete, stellte man sehr bald fest, dass ohne eine funktionstüchtige Logistik die Produktion vor Ort zum Problem wurde. Eine Eisenbahn musste her. Da nicht absehbar war, dass eine staatliche Trasse direkt bis vor ihre Haustür geführt werden würde, musste die Georgsmarienhütte selbst aktiv werden. Schließlich stand die Gleisanlage der Stahlhütte sogar ein klein wenig früher bereit als das staatliche Großprojekt, das Hamburg mit dem niederländischen Venlo verbinden sollte, denn die Fertigstellung des Tunnels bei Lengerich ließ noch etwas auf sich warten.
Der Hüttenbahnhof in Hasbergen wurde zum Scharnier zwischen staatlicher und Privatbahn. Auf umfangreichen Gleisanlagen im Westen des Bahnhofs übergaben Loks der Staatsbahn voll beladene Erz- oder Kohlewagen an die Loks der GME, der Georgsmarienhütten-Eisenbahn. Im Gegenlauf landeten die mit Stahlprodukten oder Hüttensteinen beladenen Waggons der Stahlhütte im staatl. Güterbahnhof und wurden dort zu Zügen zusammengestellt. Das sorgte für ein lebhaftes Hin und Her. Und noch heute ist es so, dass genau wie vor 150 Jahren über diese Strecke Güterzüge die Rohstoffe für die Hütte anliefern und die fertigen Produkte aus Edelstahl wieder abtransportieren.
Dem zunehmenden Personenverkehr geschuldet, bekam Hasbergen als wichtigster Umschlagsplatz der Privatbahn um 1890 ein eigenes Bahnhofsgebäude. Das Haus ist aus sogenanntem Hüttenstein gebaut, aus Hochofenschlacke, die beim Kochen des Stahls anfiel und die in Form gepresst als Backstein fungierte. Insgesamt sah das Gebäude damals ziemlich genauso aus wie heute. In dem noch erhaltenen kleinen Nebengebäude befand sich früher die Nasszelle mit öffentlichem und privatem Abort sowie eine Waschküche für die Bewohner der Obergeschosswohnung – wenngleich ohne fließend Wasser.
In diesem Bahnhofsgebäude wurde Stückgut abgefertigt und Fahrkarten wurden verkauft. Es gab eine Werkstatt für die Wagenmeister und zwei Wartesäle für die Fahrgäste, von denen derjenige zweiter Klasse praktisch nie benutzt wurde, während der für die günstigere dritte Klasse regelmäßig rappelvoll war. Mehr als 100 Jahre lang nutzten vor allem die Beschäftigten der Hütte und Schüler die preiswerte Beförderung der GME. In den 70er-Jahren ging die Nachfrage jedoch rapide zurück, so dass das Angebot der Personenbeförderung nicht mehr aufrechtzuerhalten war.
Heute nennt sich das Gebäude AWO-Hüttenbahnhof und fungiert als Heimstätte unterschiedlichster Aktivitäten der Arbeiterwohlfahrt.

2 | Wasserturm

Wasserturm
Der Wasserturm ist in seiner Bauweise nicht nur speziell, er ist einzigartig. Früher speiste er die Lokomotiven des Stahlwerks mit Wasser.
Der historische Wasserturm zwischen den Gleisanlagen und Hof Gösmann in Hasbergen ist ein echtes Unikat und ein einzigartiges Industriedenkmal: Es gibt tatsächlich kein vergleichbares Objekt, da es in seiner ganzen Bauweise sehr speziell ist. Zum einen ist dieser Wasserturm – entgegen den meisten anderen Exemplaren – viereckig und erinnert damit fast an einen römischen Wachtturm. Außerdem ist er aus einem besonderen Baumaterial gemauert: In der Stahlhütte Georgsmarienhütte wurde aus der Schlacke, die beim Produzieren von Stahl anfällt, sog. Hüttensteine geformt, die wie Backsteine verwendet werden. Insofern hat der Turm selbst hierin seine Herkunft in der Stahlhütte.
In Georgsmarienhütte war 1858 der erste Hochofen angeblasen worden, womit die autarke Stahlgewinnung des Königreichs Hannover anlief. Infrastrukturell stand das ganze Unternehmen jedoch auf ziemlich tönernen Füßen. Die Erzgruben lagen mit 7 km Entfernung zu weit von den Hochöfen entfernt und die Kohle musste nach Stilllegung der wenig ergiebigen Kohlegruben in der Umgebung extra aus dem Ruhrgebiet herangeholt werden. Das alles war ohne Eisenbahn gar nicht zu bewältigen. Entsprechend eilig verliefen die Planungen für einen Anschluss. Mit der Hüggelbahn von 1866 und der Bahnstrecke Georgsmarienhütte-Hasbergen, die 1870 den Anschluss an die Strecke Münster-Osnabrück brachte, war das logistische Problem schließlich bewältigt. Beide Strecken verblieben übrigens außerhalb des Reichsbahnnetzes und wurden als Privatbahn von der Stahlhütte betrieben.
Zusammen mit den Gleisen war auch der Wasserturm zur Wartung der Lokomotiven durch das Unternehmen gebaut worden. Mit dem etwa zehn Kubikmeter großen Tank wurden die Werkslokomotiven des Stahlwerks, die ja alle unter Dampf fuhren, mit Wasser versorgt. Dieses wurde aus einem nahe gelegenen Brunnen in den Tank des Turmes gepumpt, dessen Höhe den notwendigen Wasserdruck gewährleistete. Von dort aus floss es in eine Leitung unterhalb des Gleisbettes. Durch einen sog. „Schwanenhals“ wurde dann die Lokomotive mit dem Wasser gespeist.
Die Zeit der Dampflokomotive ist inzwischen längst Geschichte. Daher war der Wasserturm seit Jahrzehnten nicht mehr in Betrieb. Der Kultur- und Verkehrsverein Hasbergen hat mit Unterstützung von Fördergeldern jedoch dafür gesorgt, dass der Turm erhalten blieb, saniert wurde und nun sein ursprüngliches Aussehen zurückerhalten hat.

3 | Christuskirche

Christuskirche
Die Hüttenarbeiter aus dem Harz brachten den Protestantismus in den katholischen Osnabrücker Süden – und bauten sich aus der Schlacke der Stahlhütte ihre eigene Kirche.
Die Landgemeinden des Osnabrücker Südens waren traditionell fest in katholischer Hand. Das war eine Folge der Regelungen, die im Westfälischen Frieden getroffen worden waren. Ein Ende dieser Homogenität brachte erst das 19. Jhd. mit der Industrialisierung.
Die neu gegründete Stahlhütte in Georgsmarienhütte hatte von Anfang an großen Bedarf an Arbeitskräften. Die Einheimischen hatten allerdings wenig Neigung, in der Hütte zu arbeiten: Sie galt – nicht ganz zu Unrecht – als zu laut, zu schmutzig und zu gefährlich. Darüber hinaus machte die Runde, man solle sich nicht wundern, dort auch sonntags und an kirchlichen Feiertagen arbeiten zu müssen. Also blieb der Hütte nichts anderes übrig, als auswertige Arbeiter anzuwerben, und die waren oftmals Protestanten!
Ähnlich erging es dem Erzbergbau im Hüggel, der das Stahlwerk mit Eisenerz zu versorgen hatte. Viele der Bergleute waren z.B. aus dem Harz Zugewanderte, die ihre ev. Konfession mitgebracht hatten.
Es ist überliefert, dass das Zusammenleben der Einheimischen mit den Zugezogenen zunächst so seine Tücken hatte. Bezeichnend ist der überlieferte Fall, dass die Hagener sich weigerten, einen lutherischen Bergmann, der in ihrer Gemeinde gestorben war, auf ihrem Friedhof, in gut katholisch geweihter Erde, zu Grabe zu legen. Erst als sich das Amt Iburg einschaltete, weil die Geschichte unappetitlich wurde, konnte der Leichnam letztlich bestattet werden.
Es musste also ein Friedhof her, der auch Evangelischen zugänglich war. Auch mussten die Möglichkeiten einer angemessenen Seelsorge immer mehr in Betracht gezogen werden, je mehr ev. Einwanderer sich in der Industrieregion niederließen, denn die evangelische Kirchen in Osnabrück waren viel zu weit weg, um im Alltag der Menschen vor Ort eine Rolle zu spielen.
Seit den 80er Jahren des 19.Jhd. gab es ernsthafte Bestrebungen, eine eigenständige ev. Gemeinde in Hasbergen zu gründen. Es dauerte jedoch noch einige Jahre, bis das Ansinnen auch in die Tat umgesetzt wurde. 1901 bekam die junge Gemeinde endlich ihre eigene Kirche, die Christuskirche.
Ihr Baumaterial ist, zumal für eine Kirche, eine Besonderheit. Es stammt aus direkter Nachbarschaft, nämlich aus der Stahlhütte. Die Schlacke, die beim Kochen des Stahls anfiel, wurde im Sinne der Ökonomie weiterverwendet und in Form von Backsteinen gepresst. Das langlebige Baumaterial, das auf diese Weise produziert wurde, nennt man Hüttensteine. Und runde 600.000 von ihnen sind in der Christuskirche verbaut. Ob es an dem Baumaterial oder an der Architektur liegt: Die Akustik der Christuskirche ist bekanntermaßen hervorragend und deshalb ist sie nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für musikalische Veranstaltungen besonders geeignet.
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