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Bissendorf

Schlösser, Burgen und Kirchen – in der Gemeinde Bissendorf gibt es einige Kulturschätze zu entdecken. Die Lage am südlichen Rand des Wiehengebirges prägt Bissendorf durch sanfte Hügel, kleine Wälder, Bäche und Täler. In diese malerische Landschaft fügen sich hochherrschaftliche Baudenkmäler wie das Wasserschloss Schelenburg und die Neue Burg Holte harmonisch ein.
Etwas versteckt in einem Wäldchen liegt die Ruine der Holter Burg. Die Mauerreste überlassen es der Fantasie, wie die Burg zu ihren Glanzzeiten wohl ausgesehen haben mag. Ein wertvoller Kulturschatz sind ebenso die Kirchen in der Gemeinde Bissendorf – jede von ihnen ein besonderes Schmuckstück.

Erlebnisse in Bissendorf

22 | Schelenburg

Auferstanden aus Ruinen: Nach einem Brand verhalf der „Meister von Tübingen“ Jörg von Unkair dem Wasserschloss zu neuer Pracht.

Schelenburg

Auferstanden aus Ruinen: Nach einem Brand verhalf der „Meister von Tübingen“ Jörg von Unkair dem Wasserschloss zu neuer Pracht.

Gestatten, Jörg von Unkair werde ich genannt, manche nennen mich auch, gemäß meiner Herkunft, den Meister von Tübingen. Der Herr Heidenreich von Schele hat mich hierher zur Schelenburg gerufen, damit ich seinen Stammsitz wieder zu einem ansehnlichen und würdevollen Äußeren verhelfe. Die Familie des guten Herrn Heidenreich hatte es schwer getroffen, indem große Teile ihrer ehrwürdigen, mittlerweile 400 Jahre alten Burg, abgebrannt sind. Aber andererseits hatten sie noch Glück im Unglück, denn der schöne gotische Wohnturm mit seinen Erkertürmen blieb verschont. Nun ist der Herr von Schele gewillt, das Beste aus der gegenwärtigen Misere zu machen. Er war gut beraten, sich an mich zu wenden, denn ich werde ihm dort auf den Grundmauern der von Brand zerstörten Ruinen etwas Wunderbares bauen, um das ihn wahrlich seine Standesgenossen beneiden werden. Ich werde hiesigen Bruchsandstein nehmen, in Passung zu dem erhaltenen Wohnturm, und dann mit einfachen geometrischen Großformen spielen, um dem Haus Gestalt zu geben. Zieren werde ich es schließlich mit halbkreisförmigen, sogenannten „welschen“ Giebeln, die ich bei meinem Studium der venezianischen Renaissancebaukunst kennen- und schätzen gelernt habe. Kennt Ihr vielleicht die Kirche Santa Maria dei Miracoli? Ach, ein Genuss, sage ich Euch, ein Kunstwerk! Genau so stelle ich mir das hier vor. Das bringt die Macht und die Würde der Besitzer dieses Hauses so richtig zur Geltung! Dazu werde ich noch einige traditionelle gotische Elemente hinzuziehen, um niemanden zu überfordern.

Ich versichere Euch, das Ergebnis wird so überzeugend sein, dass, wenn ich diesen Auftrag vollendet habe, noch eine ganze Reihe weiterer hoher Herren zu mir kommen wird, um sich meiner Dienste zu versichern! Wohlan!

(anderer Sprecher)

Tatsächlich blieb Jörg von Unkair ein durchaus gefragter Mann! Er ist einer der führenden Köpfe gewesen, die die italienische Baukunst der Renaissance adaptierten und nach Norddeutschland brachten. Zwischen 1524 und 1548 baute er u. a. Schloss Neuhaus bei Paderborn, Schloss Stadthagen, Schloss Petershagen und Schloss Detmold, womit er maßgeblich zur Profilierung des neuen Baustils beitrug.

Die Nachfahren des Heidenreich von Schelenburg leben übrigens noch immer in dieser Burg, die als eine der ältesten und schönsten im gesamten Weser-Ems-Raum gilt. Regulär zu besichtigen ist sie leider nicht. Gewisse Räumlichkeiten bekommt man jedoch zu sehen, wenn man auf Schloss Schelenburg an einer Aufführung des DinnerAct Theaters teilnimmt, während der man einerseits fürstlich speist, andererseits Teil einer Kriminalaufführung wird.

23 | Großsteingrab Jeggen

So viele Steine für ein Grab zusammenzutragen, zeugt von einem enormen Aufwand – und einer buchstäblich starken Gemeinschaft.

Großsteingrab Jeggen

So viele Steine für ein Grab zusammenzutragen, zeugt von einem enormen Aufwand – und einer buchstäblich starken Gemeinschaft.

Die riesigen Findlinge liegen dort, als gehörten sie einfach hierher: Die großen alten Bäume, die zwischen ihnen wachsen, verstärken noch diesen Eindruck. Alles das scheint ganz selbstverständlich Teil der Landschaft zu sein. Und dennoch liegt etwas Magisches über diesem Ort, denn dass diese Steine nicht von alleine zueinander gefunden haben, ist völlig fraglos. Es steckt also eine Absicht hinter dieser Ansammlung, ein gestaltender Wille.

Dass es sich bei diesen Bauten um Gräber handelt, ist landläufig nie vergessen worden. „Hünengräber“ nannte man sie gerne, da man annahm, dass nur Hünen, also Riesen, diese mächtigen Steine bewegt haben könnten.

Wir sprechen heute von Megalithanlagen, wobei der Begriff aus dem Griechischen kommt: „mega“ heißt nichts anderes als „groß“ und „lithos“ ist der Stein.

Unsere Vorfahren vor mindestens 5000 Jahren setzten diese vielen äußerst schweren Findlinge zu einer mächtigen Anlage aus Trägersteinen und abschließenden Decksteinen zusammen. Die Lücken wurden vermauert und dann ein Erdhügel darüber aufgeworfen.

Der Bau der Großsteingräber war an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Die Gruppe, die sich ein solches Großsteingrab baute, musste ein festgefügter sozialer Verband sein, der in der Nähe seinen Wohnsitz hatte. Das bedeutet aber auch, dass die Zeit des Nomadentums für diese Menschen vorüber war, sie waren sesshafte Bauern geworden.

Auch muss ein sehr deutlich ausgeprägtes Bedürfnis vorhanden gewesen sein, sich einen solchen gemeinschaftlichen Kult- und Gedächtnisort zu schaffen, denn der Aufwand muss angesichts der technischen Möglichkeiten enorm gewesen sein.

Archäologen haben einmal ausprobiert, wie viele Menschen es braucht, um einen 32 Tonnen schweren Steinblock zu ziehen und aufzurichten. Das waren immerhin 200, allesamt erwachsen, kräftig und gesund. Zugegeben, die Steine des Großsteingrabs Jeggen sind keine Riesenfindlinge dieses Kalibers, aber einige Tonnen bringen sie trotzdem auf die Waage, außerdem sind es ziemlich viele!

Wie man sie hierher transportiert haben könnte, zeigt die Skulptur, die hier auf dem Gelände steht. Wie man sie allerdings aufeinandergestapelt hat, ist noch ein ganz anderes Problem!

Ein kollektiver Kultplatz wie dieser schweißte die Gruppe sicherlich zusammen und bestimmte über viele Generationen die gemeinsame Identität. Man wusste, dass man zu derjenigen Gruppe gehört, die genau hier ihre Toten begräbt. Das wird gleichzeitig auch zur Abgrenzung gegenüber den Nachbargruppen gedient haben und zur Behauptung des eigenen Territoriums.

Man weiß inzwischen auch, dass die meisten dieser Kultplätze nicht in Sichtweite der Siedlungen lagen. Offenbar hatte man doch Respekt, wenn nicht sogar Angst vor den Toten, auch wenn sie wahrscheinlich als Ahnen verehrt wurden. Eine vage Erinnerung daran, dass man mit schweren Steinen verhindert, dass die Toten zu Wiedergängern werden, zeigt sich gewissermaßen noch heute, auf unseren eigenen Friedhöfen. Ganz selbstverständlich stehen sie voller, bisweilen großer, Steine.

24 | Sonnensee

Bevor der Sonnensee in heutigem Glanz erstrahlte, mussten erst einmal alle Fische umgesiedelt und das Wasser entschlammt werden.

Sonnensee

Bevor der Sonnensee in heutigem Glanz erstrahlte, mussten erst einmal alle Fische umgesiedelt und das Wasser entschlammt werden.

Der Sonnensee hat sich als Naherholungsgebiet über die Grenzen Bissendorfs hinaus einen Namen gemacht. Neben dem Spaziergehen auf schöner, naturnaher Strecke, ist mittlerweile am See eine ganze Reihe von zusätzlichen Möglichkeiten geschaffen worden, frische Luft, Bewegung und Spaß miteinander zu verbinden. Ein ganzer Mehrgenerationenpark mit ganz unterschiedlichen Stationen ist hier entstanden, z.B. eine Boulebahn, ein Barfußpfad, Geräte gerade auch für ältere Menschen, an denen Hände und Rücken massiert werden, dazu ein Karussell und Balancierplattformen für Kinder.

Der mitten in Bissendorf liegende See mit dem sonnigen Namen war 1967 künstlich angelegt worden. Man hatte sich einiges davon versprochen, denn ein Bissendorfer Unternehmer plante mit dem See und auf dem ganzen umliegenden Gelände ein großes Freizeitzentrum. Aber außer einem Campingplatz ist aus den hochfahrenen Plänen nichts geworden.

Als Ende der 90er-Jahre die Betreiberin des Campingplatzes aufgab, wurde der Fischereiverein Melle Nachfolger als Pächter des Geländes. Aber bevor man hier auch nur an gepflegte Fischerei denken konnte, musste erst einmal richtig aufgeräumt werden. Auf dem Gelände hatte sich z.B. eine ganze Menge Müll angesammelt, der zunächst einmal entsorgt werden wollte. Aber noch viel entscheidender war, dass das Seewasser mittlerweile ziemlich trübe und wenig vertrauenserregend aussah. Da gab es nur eines: Das Gewässer musste gründlich entschlammt werden. Und das bedeutete einen riesigen Aufwand, denn dafür musste nichts weniger getan werden, als den gesamten Sonnensee einmal völlig trockenzulegen. Die erste Sorge galt zunächst den Fischen. Damit sie nicht alle bei der Aktion starben, holte der Fischereiverein sie vorher heraus und siedelte sie um. Nachdem dann das Wasser abgelassen worden war, rückte der Bagger an, und der hatte mehr als ordentlich tun. Schließlich wurden nicht weniger als 1.700 Lastwagenladungen Schlamm abtransportiert!

Um eine erneute Verschlammung zu verhindern, wurde am südlichen Ufer ein Sandfang angelegt. Danach wurde das Becken wieder geflutet und schließlich mit Fischen neu besiedelt. Der Fischbestand des Sonnensees ist heute durchaus bemerkenswert und umfasst unter anderem Aale, Barsche, Hechte und Forellen.

Am Sonnensee kommen jedoch auch Vogelfreunde auf ihre Kosten, denn die Insel mitten im See ist ein regelrechtes Vogelparadies. Der seltene Eisvogel wird hier regelmäßig gesichtet, ebenso Fischadler, Kormorane und Haubentaucher. Auch hat die nicht einheimische Kanadagans den Sonnensee als Revier für sich entdeckt. Was soll man sagen: Dieser Vogel hat halt Geschmack!

25 | Rathaus Bissendorf

Modern und doch ein Traditionsbau: Vorbild für das Bissendorfer Rathaus war das niederdeutsche Hallenhaus, ein typisch norddeutsches Bauernhaus.

Rathaus Bissendorf

Modern und doch ein Traditionsbau: Vorbild für das Bissendorfer Rathaus war das niederdeutsche Hallenhaus, ein typisch norddeutsches Bauernhaus.

Das niederdeutsche Hallenhaus ist jahrhundertelang überall in den ländlichen Räumen Norddeutschlands gebaut worden. In Bissendorf steht mittlerweile eine Reminiszenz an das Hallenhaus, in dem kein Bauer mehr mit seinem Vieh lebt, sondern wo der Gemeinderat zusammenkommt.

Im Jahr 2013 hatte ein Wettbewerb zum Neubau des Rathauses für die Gemeinde Bissendorf stattgefunden. Der Gewinnerentwurf sah ein Ensemble aus einem Verwaltungsriegel und dem Bürgersaal in Form eines traditionellen Hallenhauses mit markantem Satteldach vor. Ein zwölf Meter hoher, stützenfreier Raum im Inneren sollte nicht nur für Ratssitzungen, sondern auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden können.

Verwirklicht steht der Entwurf heute in Nachbarschaft zu seinen historischen Vorgängern am Bissendorfer Kirchplatz. Allerdings hebt er sich von ihnen schon rein äußerlich ab, da er statt in Fachwerkweise in Stahlbeton konstruiert und hell verklinkert ist. Allerdings hat man darauf geachtet, dass das Verblendmauerwerk mit den Farben und Materialien der Nachbarschaft korrespondiert, sodass sich das neue Ensemble gut in das Ortsbild einfügt.Als rundherum gelungen wurde der Bau 2016 für den Niedersächsischen Staatspreis für Architektur nominiert.

Das historische Vorbild des Bürgersaals ist das traditionelle niederdeutsche Hallenhaus. Es gilt als das norddeutsche Bauernhaus schlechthin und ist auch für Bissendorf der maßgebliche Haustypus gewesen. Obwohl es auch als „Niedersachsenhaus“ bezeichnet wird, erstreckt sich seine Verbreitung weit darüber hinaus. Es ist von der niederländischen Nordseeküste bis zur Danziger Bucht und vom südlichen Westfalen bis nach Schleswig-Holstein zu finden.

Der Innenraum des Hauses bestand gleichsam aus nur einer großen Halle, zu deren Seiten rechts und links die Ställe untergebracht waren. Am Kopf des Raumes war die Feuerstelle, um die herum sich das eigentliche Wohngeschehen abspielte. Alle Hauptbereiche bäuerlichen Wirtschaftens waren also hier in einem Raum vereint, so dass der Bauer alles, was ihm lieb und teuer war, unter seinem Dach beaufsichtigen konnte. Außerdem strahlten die Tiere im Winter Körperwärme ab, was der Innentemperatur des Hauses zugutekam.

Während des 19. Jhd. veränderte sich schließlich die Landwirtschaft, aber auch die Vorlieben des Wohnens, womit die Blütezeit des niederdeutschen Hallenhauses vorüber war. Vielleicht bekommt es aber durch moderne Anstöße wie die in Bissendorf eine neue Renaissance. Wer weiß?

26 | Holter Kirche St. Urban

Errichtet wurde die mehrfach umgebaute Kirche einst von den Holter Rittern. Noch heute schmückt das Altarkreuz aus dieser Zeit den Innenraum.

Holter Kirche St. Urban

Errichtet wurde die mehrfach umgebaute Kirche einst von den Holter Rittern. Noch heute schmückt das Altarkreuz aus dieser Zeit den Innenraum.

Das erste, was Ihnen sicher aufgefallen sein wird, das ist die wunderschöne alte Siedlung, in deren Mitte der Kirchplatz mit seinen insgesamt 24 Linden steht. Der Bestand des uralten Kirchdorfes Holte ist heute noch vielfältig erhalten und steht entsprechend unter Denkmalschutz.

Kern der Siedlung ist der Meyerhof zu Holte gewesen, dessen Verwalter sich schließlich in den Stand von Rittern erhoben und auf dem Holter Berg ihre Burg errichteten. Von dort aus haben sie vermutlich im frühen 12. Jhd. diese Kirche gegründet, die dem Hl. Urban geweiht ist. Der Pfarrer lebte wohl zunächst auf der Burg und wurde dort auch verköstigt, vielleicht war er auch zuständig für die dortige Burgkapelle. Allerdings war dieses sichere Auskommen ein recht kurzes Glück, denn nur wenige Jahre später waren die Ritter von Holte beim Bischof von Osnabrück in Ungnade gefallen und ihre Burg wurde nach Eroberung geschleift. Später erhielt der Pfarrer ein Pfarrhaus im Dorf mit einem Stück Land dabei, damit er sich mit einer kleinen Landwirtschaft ein Zubrot verdienen konnte.

Mit dem Bau einer eigenen Kirche, die die Ritter von Holte auch gleich mit einer eigenen Pfarre ausstatteten, schied Holte aus dem Kirchspiel Bissendorf aus, d.h. der Pfarrer von Bissendorf war für die Holter nun nicht mehr zuständig und konnte von ihnen auch keinen Beitrag mehr für seinen Lebensunterhalt erwarten. Der Begriff Kirchspiel hat übrigens nichts mit „Spielen“ zu tun, sondern kommt vom Althochdeutschen „spel“, was soviel wie Rede bedeutet. Das heißt, das Kirchspiel war der Bereich, in dem ein bestimmter Pfarrer seinem Predigtamt nachging.

Von der alten Kirche aus dem 12 Jhd. ist nur noch der gedrungene romanische Turm übriggeblieben, der Rest wurde mehrfach umgebaut und renoviert. Die grundlegendste Veränderung fand dabei um 1770 statt, als das Kirchenschiff neu errichtet wurde. Im Jahr 2000 erhielt die Kirche durch eine umfassende Renovierung ihr heutiges Aussehen.

Das Bedeutendste an Inventar ist sicher das uralte Altarkreuz, das die Kirche schon zu Zeiten der Holter Ritter geschmückt hat. Zu sehen sind auch einige ausgesprochen kunstvolle Grabplatten. Eine Besonderheit ist die Glocke, die zu jeder vollen Stunde schlägt. Sie ist inzwischen über 600 Jahre alt und gehört damit zu den ältesten Glocken im gesamten Osnabrücker Raum.

Wegen der idyllischen Lage und ihrer angenehmen Atmosphäre wird St. Urban übrigens gerne auch von Brautpaaren als Traukirche genutzt, auch von solchen, die nicht zur örtlichen evangelischen Gemeinde gehören.

27 | Holter Burg

Von der Burg stehen heute nur noch die Grundmauern, aber irgendwo in einem Brunnen sollen die Burgherren eine Tischplatte mit einem Diamanten versteckt haben.

Holter Burg

Von der Burg stehen heute nur noch die Grundmauern, aber irgendwo in einem Brunnen sollen die Burgherren eine Tischplatte mit einem Diamanten versteckt haben.

Ihr wollt wissen, was es mit dieser Burgruine auf sich hat? Davon weiß ich von einer alten Bauersfrau, die mir mit einem seltsamen Lächeln versicherte, dass sie alles, was sie mir erzählte, selbst erlebt und mit eigenen Augen gesehen habe! Die Meyer von Holte hatten unten im Dorf einen großen Hof, dort sammelten sie für ihren Herrn die Abgaben der Bauern ein und teilten die Hand- und Spanndienste zu. Da sie sehr erfolgreich in dem waren, was sie taten, erhoben sie sich bald über die anderen ihres Standes. So bauten sie etwas abseits ihres Hauses eine Befestigung, ob aus eigenem Antrieb oder im Auftrag, um für die Sicherheit der eingesammelten Abgaben zu sorgen, weiß niemand mehr zu sagen. Als dann das ganze Land der Sachsen in Aufruhr war wegen des Krieges, den Kaiser Heinrich IV. gegen sie führte, errichteten die Herren von Holte eine noch sicherere Heimstadt, und zwar hier auf dem Holter Berg. Eine kreisrunde Burg ließen sie errichten, gesichert durch einen hohen Wall und einen zusätzlichen Graben nach drei Seiten hin, zur vierten fiel der Berg steil ab. Neben dem Burgtor war eine Kapelle, dem gegenüber der Palas und mitten in der Anlage ein uneinnehmbarer, mächtiger runder Turm.

Inzwischen waren die Leute aus dem Ort nicht mehr gut auf die Herren von Holte zu sprechen. Viel zu weit enthoben hatten sie sich, zudem verließen sie sich mehr und mehr auf ihr Waffenglück und ihre feste Burg als auf ein ehrliches Tagewerk. Schließlich galt ihnen ihr Schwert mehr als alles Recht. Der Bischof von Osnabrück wollte das nicht länger dulden und zog mit großer Macht vor die Burg. Doch ausrichten konnte er hier nichts. Viel zu stark war die Burg befestigt, um sie im Sturm zu nehmen. Deshalb beschloss der Bischof die von Holte auszuhungern.

Lange Zeit ging darüber ins Land, ganze sieben Jahre lagerten die Truppen des Bischofs vor den Toren, und noch immer hatten die Verteidiger nicht aufgegeben. Ihr Geheimnis war nämlich, dass durch einen unterirdischen Gang täglich eine Bauersfrau kam und sie mit Brot, Wurst und Speck versorgte. Die Ritter von Holte bezahlten die Frau mit klingender Münze, deswegen kam sie jeden Tag wieder. Nach sieben Jahren waren jedoch die Schatzkisten der Raubritter leer, und unbezahlt musste die Bauersfrau wieder ihres Weges gehen. Das aber ließ sie sich nicht lang gefallen. Eines Tages ging sie in das Lager der Bischöflichen und verriet ihnen den Geheimgang. Als darauf die Bischöflichen in die Burg eindrangen, hatten die Verteidiger keine Chance mehr. Bevor die Ritter von Holte flohen, wollten sie jedoch noch einen Teil ihres Reichtums retten und versenkten eine Tischplatte, in die ein großer strahlender Diamant eingearbeitet war, im Brunnen.

Der Bischof ließ die Burg derer von Holte bis auf die Grundmauern schleifen, damit sie es nie wieder wagen würden, sich ihm zu widersetzen. Den Meyerhof hingegen ließ er ihnen.

Einige Zeit später versuchten in der Nacht einige Bauern, die von dem Schatz in dem Brunnen erfahren hatten, die Tischplatte mit dem Diamanten zu heben. Schon hatten sie ihn fast bis an den Rand des Brunnens gezogen, da ging die Sonne auf und ihre Strahlen verfingen sich so hell in dem Diamanten, dass die Bauern erschraken und die Tischplatte zurück in die Tiefe fiel. Dort soll sie auch heute noch liegen und auf einen glücklichen Finder warten.

Die Herren von Holte zeigten sich nach ihrer Niederlage geläutert. Die Nachfahren der Raubritter stifteten auf ihrem Gelände ein Kloster und der letzte Vertreter ihres Geschlechts ergriff schließlich selbst ein geistliches Amt. So ist es denn ausgestorben, das Haus derer zu Holte, und niemand klagt mehr über den Verlust dieser Burg, von der nur noch die Grundmauern stehen.

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