Hagen a.T.W.
Hagen am Teutoburger Wald (a.T.W.) setzt als staatlich anerkannter Erholungsort auf Erholung und Aktivurlaub. Beim Wandern oder Radfahren entdecken Gäste die ländliche Gemeinde auf eigene Faust. Sehenswürdigkeiten wie die Gellenbecker Mühle, die Gellenbecker Kirche und die Ehemalige Kirche unterstreichen diesen besonderen Charakter. Das dörfliche Ambiente zeigt sich bei einem Bummel in der Dorfstraße und in den gutbürgerlichen Einkehrmöglichkeiten. Bekannt ist Hagen a.T.W. insbesondere für die Kirsche. Hier prägen Streuobstwiesen und der Kirschlehrpfad das Bild. Verschiedene Wanderwege zeigen die lange Tradition der Kirschgemeinde. Im April findet jährlich der Hagener Kirschblütenmarkt statt – mit Fokus auf Regionalität, Nachhaltigkeit und Wertschätzung von Lebensmitteln.
Erlebnisse in Hagen a.T.W.

41 | Kirschlehrpfad

Kirschlehrpfad
Der Ort wird nicht umsonst „Kirschenhagen“ genannt: Hier wurden schon Kirschsorten wiederentdeckt, die längst als ausgestorben galten.
(Stimmengemurmel, Rufen, Pfeiffen) „Das gibt es doch nicht! Da kommen die Osnabrücker, und die wollen… Ja! Die wollen unsere Kirschen klauen! Das müssen wir verhindern! Aber wie? Das sind verdammt viele!“. Anderer Sprecher:
Im Sommer 1919 kamen die Osnabrücker mit einer großen und entschlossenen Abordnung nach Hagen und konfiszierten kurzerhand 60 Zentner Kirschen. Das Ganze war keineswegs rechtmäßig, doch die Osnabrücker ärgerte es einfach maßlos, dass die Hagener ihre Kirschen nicht mehr in ihre Stadt verkauften. Das hatte damit zu tun, dass nach dem Ersten Weltkrieg die Preisbindung für Lebensmittel aufgehoben worden war, aber die Osnabrücker nicht bereit waren, den – zugegeben – horrenden Preis für die Hagener Kirschen zu bezahlen. Daraufhin entschieden sich die Hagener dafür, lieber andere Städte und Gemeinden zu beliefern. Das wiederum wollten aber die Osnabrücker nicht zulassen. Deshalb statteten sie Hagen diesen unangenehmen Besuch ab. Als es im Sommer darauf in Osnabrück noch einmal zu Krawallen kam und man sich schon wieder anschickte, nach Hagen zu marschieren, ließ man sich nur von der Nachricht aufhalten, dass die Hagener sich inzwischen bewaffnet hätten – und man die Osnabrücker erwarte. Da ließ man einen zweiten Raubzug doch lieber sein.
Dass es um die Kirsche Krawall gibt, ist glücklicherweise die Ausnahme, zeigt aber wie begehrt die Hagener Frucht ist!
Bei uns wachsen über 300 verschiedene Süßkirsch-Sorten. Keine schmeckt davon genau wie die andere. Das heißt, bei uns kann man zum Kirschfeinschmecker werden, wenn man sich in diese Vielfalt hineinbeißt!
Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken: Wir können zum Beispiel mit Recht behaupten, regelrechte „Kirscharchäologen“ zu sein, hat man bei uns doch einige Sorten wiederentdeckt, die schon längst als ausgestorben galten.
Diese Erfolge beim Erhalt der Artenvielfalt haben dazu geführt, dass Hagen nach einem 2010 abgeschlossenen Modellvorhaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zum offiziellen Erhaltungsstandort für Süßkirschsorten erklärt worden ist und in Kooperation mit der Deutschen Genbank Obst steht.
Auch fungiert Hagen seit vielen Jahren als „Kirschmuttergarten“. Von hier aus werden Reiser, also Triebe, die zur Veredelung von Obstbäumen benutzt werden, in die ganze Welt versandt. Das ist notwendig, wenn man eine ganz spezielle Sorte duplizieren möchte. Aus einem Kern wächst zwar auch ein Baum, aber eben nie die exakt gewünschte Sorte. Dies und vieles mehr erfahren Sie übrigens bei einer unserer Kirschlehrpfad-Führungen.
Auch erfahren Sie dort etwas über die Geschichte des Kirschanbaus in Hagen. Hier aber schon einmal ein kleiner runder Vorgeschmack: Bereits im 16. Jhd. wurden in Hagen am Teutoburger Wald großflächig Süßkirschen angebaut. Und seit der Wende zum 20. Jhd. wurden wir das bedeutendste Obstanbaugebiet zwischen Osnabrück und Münster. Jetzt hoffen wir, dass wir Ihnen Appetit gemacht haben: Seien Sie, und das nicht nur zur Obstblüte, willkommen in der Kirschgemeinde Hagen!

42 | Dorfstraße mit Trommler

Dorfstraße mit Trommler
Am Kirmesmontag lässt Hagen so richtig die Sau raus – und das seit über 400 Jahren: Der Trommler ruft zum Ferkelmarkt, auf dem der ganze Ort feiert.
(Trommelschläge) Der Trommler hat in Hagen stets die Leute „zusammengetrommelt“ und zwar zu ganz unterschiedlichen Anlässen. Traditionellerweise gab es in Hagen sechs Trommler, jeder aus einer der sechs Bauerschaften, aus denen das alte Kirchspiel Hagen bestand. Aufgabe der Trommler war es, die Menschen lautstark bei einem Brand zu warnen oder beim Auftauchen von Wölfen zur Wolfsjagd zu rufen. Sicher werden die Trommler auch zum Einsatz gekommen sein, als der Dreißigjährige Krieg mehrfach über Hagen hinweg zog.
Zum Glück gibt es aber auch einen freudigen Anlass, zu dem die Trommler traditionell auftrommeln, und der wird heutzutage jedes Jahr erneut zelebriert, und zwar im Zentrum des alten Kirchspiels Hagen, der Dorfstraße mit der St. Martinskirche.
Am letzten September- oder ersten Oktoberwochenende findet in Hagen alljährlich die Kirmes statt, ein fröhliches Volksfest für die ganze Familie. Einen besonderen Höhepunkt bildet dabei immer am darauffolgenden Montag der Ferkelmarkt. Im Jahre 1615 erließ der Fürstbischofs von Osnabrück die Erlaubnis, dass die Hagener am Montag ihrer Kirmes einen offenen Viehmarkt abhalten dürfen. Darüber hinaus wurde erlaubt, „allerhand Waren“, wie es in der alten Urkunde heißt, zu verkaufen.
Bevor der Markt beginnt, wird von den sechs traditionellen Trommlern „aufgetrommelt“, wobei der Vertreter von Altenhagen, der nach der Tradition immer der Marktrichter vom Hof Niehenke war, keine Trommel, sondern eine Fahne trägt, die den Marktfrieden symbolisiert. Groß und Klein ist dann in Hagen auf den Beinen und zieht hinter Fahne und Trommler her durch die Dorfstraße und singt das Hagener Lied, ein ganz starkes Symbol heimatlicher Verbundenheit und der Zusammengehörigkeit! („Hagen meine Liebe“ anspielen)
Diesem Brauch gilt die Trommlerfigur des Bildhauers Werner Klenk, die 1999 von Hagener Bürgern gestiftet worden ist. Die Figuren Viehhirte und Ferkel, die zum Marktplatz hin stehen, stammen von der Künstlerin Gila Spengler und wurden hier 2016 anlässlich des 400. Ferkelmarktes aufgestellt.
Übrigens werden auf diesem Ferkelmarkt bis heute tatsächlich Tiere gehandelt, und zwar nach alter Väter Sitte mit Handschlag zur Besiegelung des Kaufvertrages.

43 | Ehemalige Kirche

Ehemalige Kirche
Die Ursprünge des Hagener Wahrzeichens reichen bis ins Jahr 860 zurück. 1973 wurde sie für die Kirchengemeinde zu klein – und ist seitdem Kulturzentrum.
Die Franken kommen! Ihr König Karl der Große erobert in langen blutigen Kriegen das Sachsenland. Und überall dort, wo er seine Herrschaft aufrichtet, hält das Christentum Einzug. Die Zeit der alten sächsischen Götter ist vorüber. Um die Einwohner des Landes aber auch wirklich zum christlichen Glauben zu bekehren, schicken die Franken ganze Heerscharen von Klerikern in die neueroberten sächsischen Gebiete. Überall schießen daraufhin Missionszentren und Kirchen aus dem Boden.
Auch in Hagen wird um das Jahr 860 eine Kirche gebaut. Sie ist dem Hl. Martin geweiht, pikanterweise ausgerechnet dem Schutzpatron der Franken.
St. Martin ist im Kern also tatsächlich mehr als beeindruckende 1000 Jahre alt! Der fränkische Kirchenbau selbst wird dagegen nicht sonderlich beeindruckend gewesen sein, deshalb ist er im Laufe der nächsten Jahrhunderte durch eine romanische Kirche ersetzt worden. Doch auch diese Kirche genügte irgendwann nicht mehr den Ansprüchen der Hagener Gemeinde, daher gab es an der Wende zum 16. Jhd. einen spätgotischen Neubau, dessen Erscheinungsbild uns zumal in Form des Turmes noch heute gegenübertritt.
Die Kirche wurde seitdem nochmals mehrfach erweitert, was immer eine teure Angelegenheit war. Einmal, als die Sakristei einen Umbau nötig hatte, wollte sich das Geld nicht in der Gemeinde auftreiben lassen, da erklärte sich die begüterte Frau von Winzheim dazu bereit, die Kosten zu tragen, wenn sie denn dafür eine Begräbnisstätte für sich und ihre Nachkommen unter der Kirche bekäme. Als die Hagener von diesem Angebot Wind bekamen, öffneten sich plötzlich doch noch die Geldbörsen und Sparstrümpfe der Gemeinde. Eine adelige Gruft unter ihrer Kirche – das war einfach nicht nach dem Geschmack der Hagener!
Anfang der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts entschloss sich die Kirchengemeinde Hagen zu einem schmerzhaften und dennoch schlüssigen Schritt. Für ein Gemeindeleben in moderner Größenordnung war die alte St. Martinskirche einfach nicht mehr optimal, deshalb entschloss man sich zu einem vollständigen Neubau. 1973 erfolgte der Umzug und die alte Kirche wurde profanisiert, womit sie für außerkirchliche Zwecke frei wurde.
Seit 1978 kümmert sich ein Trägerverein darum, dass das altehrwürdige Wahrzeichen Hagens einerseits in aller Würde erhalten bleibt, andererseits aber auch mit Leben gefüllt wird. Mittlerweile ist die ehemalige Kirche ein beliebtes Zentrum für unterschiedliche kulturelle Veranstaltungen. Gerade Konzerte sind hier von ganz eigener Qualität, denn sowohl die besondere Atmosphäre des Hauses als auch die herausragende Akustik tragen das Ihre zu einem eindrucksvollen Musikerlebnis bei.

44 | Altes Pfarrhaus

Altes Pfarrhaus
Hast du Tone? Da Ton in Hagen reichlich vorhanden war, blühte hier das Töpfereihandwerk, wie das Museum im Alten Pfarrhaus zeigt.
Heißen Sie vielleicht Pötter oder Pöttker? Dann könnte es durchaus sein, dass Ihre Vorfahren im westfälischen Raum, eventuell sogar hier direkt in Hagen dem Töpferhandwerk nachgingen. Die Region um Osnabrück ist eine der traditionsreichsten Töpferlandschaften in Deutschland. Das liegt vor allem daran, dass der natürliche Rohstoff durch die günstige Geologie des Osnabrücker Landes vor Ort vielfach vorhanden war. Auch in Hagen ist die Existenz von Töpfereien schon seit dem Mittelalter belegt. Sie bekamen ihr Material aus dem Goldhagenbach, dessen Ton- und Schiefertonschichten besonders geeignet sind, da sie frei von sandigen und kalkigen Beimischungen sind.
Dass der Ton hier so reichlich vorkommt, war für die Menschen, die ansonsten fast ausschließlich von der Landwirtschaft lebten, ein Glücksfall, bot er doch die Möglichkeit zumindest eines Zusatzverdienstes, wenn nicht sogar der Entwicklung einer einträglichen Profession. So ist nachweisbar, dass die Höfe, auf denen das Töpferhandwerk betrieben wurde, selbst die schlechten Zeiten des Dreißigjährigen Krieges einigermaßen glimpflich überstanden. Später konnte der Absatzmarkt für die hiesigen Töpfererzeugnisse noch erweitert werden, denn die „Kiepenkerle“, mobile Händler mit einer Kiepe, einem großen Korb auf dem Rücken, brachten die Ware in die zahlungskräftige Stadt, nach Osnabrück oder Münster.
Zeugnisse der alten Töpfertradition sind hier in Hagen im alten Pfarrhof zu bewundern, und zwar in zweifacher Weise: In einem Teil der Sammlung werden viele ausgewählte schöne Stücke präsentiert, die in den letzten Jahren durch Ankauf oder Schenkung erworben worden sind. Der andere Teil der Sammlung präsentiert archäologische Funde aus 16. bis zum 20. Jhd. Sie stammen aus einer groß angelegten Ausgrabungskampagne auf dem Areal dreier alter Hagener Töpfereien. Da diese Sammlung eine der bestbestückten und größten ihrer Art in ganz Nordwestdeutschland ist, sollte jeder Freund formschöner Keramik hier einen Besuch unbedingt fest einplanen.
Heute ist übrigens das Töpferhandwerk in Hagen leider verwaist. Als letzte gab 1949 die Töpferei Hehemann auf. Die Werkstatt selbst ist allerdings erhalten geblieben. Sie steht heute im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold und kann dort bewundert werden.
Was glücklicherweise in Hagen verblieben ist, ist der hiesige alte Pfarrhof. Der wunderschöne Fachwerkbau, der den vorderen Teil des Gebäudeensembles bildet, stammt aus dem Jahre 1723. Das dahinter gelegene Steinwerk ist in Teilen sogar noch um die hundert Jahre älter. Es beherbergt heute Hagens öffentliche Bibliothek.
45 | Gellenbecker Mühle

Gellenbecker Mühle
In der Gellenbecker Mühle wurde lange Zeit nicht nur Getreide gemahlen, sondern auch Flachs verarbeitet – und ein Schwein, das versehentlich unter die Walze geraten war.
„Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“. Was das alte Lied besingt, gehörte lange Jahrhunderte zum selbstverständlichen Alltag der Menschen. Vor allem das Korn musste gemahlen werden und da die Windmühle erst seit dem späten Mittelalter von Flandern her Einzug hielt, war man darauf angewiesen, die Kraft des Wassers zu nutzen.
Hier, am Standort der Gellenbecker Mühle, gab es spätestens seit dem 13. Jhd. eine Wassermühle. In einer Urkunde dieser Zeit findet sie ihre erstmalige Erwähnung als Teil des Hofes Meyer zu Gellenbeck. Damit ist sie die älteste Mühle Hagens. Eine weitere mittelalterliche Urkunde berichtet davon, dass Hof und Mühle samt Pächter dem Ritter von Varendorf zum Lehen gegeben wurden.
Wie so vieles andere nahm auch die Gellenbecker Mühle im Dreißigjährigen Krieg schweren Schaden. Da man sie aber dringend brauchte, wurde sie schon 1637 wiederaufgebaut. Nach Ende dieses verheerenden Krieges erlebte Deutschland eine vergleichsweise friedliche Zeit mit weitgehender wirtschaftlicher Prosperität. Das wirkte sich auch auf die Mühle in Gellenbeck aus. Sie wurde um einen zweiten Mahlgang erweitert. Gleichzeitig errichtete man auf der gegenüberliegenden Seite des Baches eine Öl- und Bokemühle zur Verarbeitung von Flachs. Über lange Jahre hielt sie eine Monopolstellung inne, da sie doch die einzige ihrer Art in einem Umkreis von 35 km war.
Dass es in solch einer Mühle nicht immer ganz ungefährlich zuging, zeigt eine Anekdote aus dem 18. Jdh. Aus Vergesslichkeit oder weil er sich nichts dabei gedacht hatte, hatte jemand die Tür zur Ölmühle offengelassen. Ein Schwein ergriff die Gelegenheit beim Schopf und schlüpfte hinein. Das neugierige Tier schnüffelte nun überall herum – bis man aus der Mühle nur noch lautes Quieken hörte. Das arme Schwein war unter eine Walze gekommen und vermutlich gab es in den nächsten Tagen, vom Braten bis zur Leberwurst, gut zu essen.
Bis 1929 wurde die Ölmühle betrieben, dann jedoch war ihre Zeit abgelaufen und man ersetzte sie durch das jetzige Wohnhaus.
Der jetzige Mühlenbau ist um 1900 entstanden. Zuletzt bis 1977 war die Mühle noch verpachtet und verrichtete ihren Dienst. Danach stand jedoch zu befürchten, dass das Areal ohne Nutzung langsam, aber sicher verfallen würde. Verhindert wurde dies schließlich durch das Ehepaar Bölts, das das Wohnhaus bezog und zusammen mit dem Verein zur Erhaltung der Gellenbecker Mühle die Anlage wieder instand setzte.

46 | Orchideenwiese am Silberberg

Orchideenwiese am Silberberg
Silber wurde hier schon länger keins mehr gesehen, dafür lassen zehn verschiedene Orchideenarten das Areal erstrahlen.
Allein der Name hat schon etwas Magisches an sich: Silberberg! Da denkt man an märchenhafte Wesen, unterirdische Reiche, an versunkene Schätze und dergleichen mehr. Tatsächlich gibt es hier von alledem ein bisschen – oder sogar ein wenig mehr als ein bisschen!
Aber eins nach dem anderen. Fangen wir mit den Schätzen im Silberberg an: Der 180m hohe Berg besteht aus Zechsteinkalk, einem etwa 250 Millionen Jahre altem Gestein, das an vielen Stellen Beimengungen von Zink, Blei und Silber enthält. Aufgrund dieser Vorkommen hat es hier schon seit dem späten Mittelalter Bergbau gegeben. Intensiviert wurde dieser im 18. Jhd. als der Bischof von Osnabrück versuchte, damit die Einkünfte seines überschaubaren Territoriums zu steigern. Er holte sich dazu sogar eine Reihe von Fachkräften aus dem Harz, die einen 600m langen Stollen in den Berg trieben, d.h. es gibt hier wirklich so etwas wie ein unterirdisches Reich. Obwohl der Bischof 1724 einen Mariengroschen aus dem Hagener Silber prägen ließ, war das Gesamtprojekt jedoch wenig ergiebig und wurde deshalb nach wenigen Jahren wieder eingestellt. Die Hagener Bauern waren übrigens nicht wenig froh darüber, dass die Bergleute wieder verschwanden. Aus den Gerichtsakten dieser Zeit wird deutlich, dass sie sich keineswegs gut mit ihnen verstanden. Eine Frau Meyer beschwerte sich über einen allzu lockeren Lebenswandel der Bergleute und der Bauer Dehpendehner nannte sie sogar „Hundsfotter und Schelmen“. Aber dabei blieb es nicht: Eine Vielzahl von ganz handfesten Auseinandersetzungen ist ebenfalls dokumentiert.
Das Silber im Berg hat jedoch auch die nachfolgenden Generationen immer wieder gereizt. Deshalb ist noch heute eine ganze Reihe von Schächten auszumachen, die von diversen Probebohrungen stammen. Etwas wirklich Lohnenswertes gefunden hat man dabei allerdings nicht. Bislang jedenfalls.
Kommen wir daher lieber zu den märchenhaften Wesen am Silberberg, denn davon gibt es hier tatsächlich gar nicht so wenige! Gerade im Bereich alter Schürftrichter, sog. Pingen, ist die Konzentration an Schwermetallen im Boden relativ hoch, was dazu führt, dass hier eine ganz besonders seltene Fauna gedeiht. Darüber hinaus sorgt der Kalkboden dafür, dass eine echte Schönheit den Silberberg mit ihrer feenhaften Anmut beglückt. Es ist die Orchidee, die hier in 10 unterschiedlichen Arten wächst.
Damit dieser Garten seltener Pflanzen erhalten bleibt, ist einiger Aufwand nötig und viel pflegende Fürsorge, z.B. um einen Gehölzbewuchs zu vermeiden, der unsere zarten Schönheiten vertreiben würde. Deshalb wundern Sie sich nicht, wenn Sie hier auf einmal die eine oder andere Ziege entdecken. Es sei Ihnen versichert: Die sind nicht ausgerissen, sondern gehören hierher und betreiben Landschaftsschutz, denn sie fressen das Grün ab, das hier nicht wachsen soll.Wenn Sie den märchenhaften Silberberg und seine Geheimnisse nun noch genauer erkunden möchten, empfehle ich Ihnen eine Führung der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt in Hagen oder des NABU Osnabrück, die zu Anfang Juni, der Zeit der Orchideenblüte, angeboten werden.
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